Die  Königl.  Preußische  technische  Hochschule  zu  Aachen.  205

Anzahl  außerdem  gewonnener  l.ehrkräfte  eine  Reihe  von  Vorlesungen
begonnen  werden,  welche  dazu  bestimmt  sind,  denjenigen  jungen  Kaufleuten,
  die  sich  auf  die  selbständige  Leitung  kaufmännischer  oder
industrieller  Großbetricbe  vorbereiten  wollen,  eine  Einführung  in  die
wissenschaftlichen  Grundlagen  des  Ilandelsbetriebes  zu  geben.  1903
wurde  dem  Kursus  der  Name  einer  Hlandelshochschule  verliehen.
Durch  diese  Besonderheit  der  Aachener  Hochschule  ist  sowohl  dem
technischen  als  dem  kaufmännischen  Unterrichtswesen  eine  eigentünliche
  Förderung  und  Bereicherung  zuteil  geworden.  Denn  nicht  nur
die  in  erster  J.inie  beabsichtigte  Ausbildung  der  Kaufleute  hat  durch
die  Möglichkeit  des  Besuchs  technischer  Vorlesungen  gewonnen,
sondern  auch  dem  Techniker  ist  durch  die  getroffenen  Maßnahmen
eine  bessere  Vorbildung  für  die  Praxis  des  Geschäftslebens  ermöglicht.

Hat  so  die  Aachener  Hochschule  cine  Reihe  von  Besonderheiten
  aufzuweisen,  welche  ihr  innerhalb  des  deutschen  technischen  Llochschulwesens
  eine  eigenartige  Stellung  sichern,  so  istsie  im  Rahmen  der
gegebenen  allgemeinen  Aufgaben  dank  der  Fürsorge  der  Staatsregierung
und  der  schon  mehrfach  genannten  Aachener  Korporationen  ständig
fortgeschritten  mit  dem  allgemeinen  Fortschritt  der  Technik  und  des
technischen  Unterrichts  überhaupt.  Das  zeigt  sich  im  einzelnen  in
dem  Ausbau  der  Organisation,  den  sie  mit  ihren  preußischen  Schwesteranstalten
  gleichzeitig  vornehmen  konnte,  in  der  steten  Erweiterung
ihrerEinrichtungen  und  in  der  allmählichen  Vermehrung  des  Lehrkörpers.

I.  Als  am  4.  Februar  1858  der  damalige  Prinz  Friedrich  Wilhelm
von  Preußen,  der  spätere  Kaiser  Friedrich  II,  nach  seiner  Vermählung
  mit  der  Prinzessin  Viktoria  von  Großbritannien  die  vaterländische
Grenze  bei  Herbesthal  unweit  Aachen  überschritt,  wurde  ihm  von
der  „Aachener  und  Münchener  Feuerversicherungsgesellschaft‘“  als
Willkommensgrui5  die  Summe  von  15000  M,  zur  Verfügung  gestellt.
Der  Prinz  bestimmte,  daß  „damit  zur  Gründung  eines  polytechnischen
Instituts  in  der  Rheinprovinz  in  einer  rheinischen  Stadt  und  zwar
nicht  nur  im  Interesse  der  betreffenden  Stadt,  sondern  im  Interesse  der
ganzen  Provinz  eine  gedeihliche  Anregung  gegeben  werden  solle“,
Für  die  Ausführung  dieses  Gedankens,  der  allseitig  auf  guten  Boden
fiel,  kamen  von  den  rheinischen  Städten  vor  allem  Cöln  und  Aachen
in  Betracht.  Daß  die  Wahl  schließlich  auf  Aachen  fiel,  ist  in  erster
Liinie  darauf  zurückzuführen,  daß  die  schon  einleitend  erwähnten
Korporationen  und  die  städtischen  Behörden  erhebliche  Mittel  zur
Durchführung  des  Planes  bereit  stellten.  Nach  jahrelangen  Verhandlungen
  wurde  Aachen  1863  endgültig  zum  Sitz  der  neu  zu  gründenden