208  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

Im  Jahre  1837  wurden  neue  Bestimmungen  über  die  Diplomprüfungen
  erlassen,  die  bis  zur  Herausgabe  der  am  1.  April  1903
provisorisch  in  Kraft  gesetzten  neuen  Diplomprüfungsordnungen  in
Geltung  blieben.

Das  äußere  Ansehen  der  Hochschule  und  ihre  soziale  Geltung
war  stufenweise  gehoben  worden  dadurch,  daß  1872  den  ordentlichen
  Lehrern  der  Anstalt  der  Professorentitel  beigelegt  ward  und
zchn  Jahre  später  ihre  Ernennung  durch  königliche  Kabincttsorder
eingeführt  wurde,  daß  dem  Rektor  1897  eine  goldene  Amtskettc,
1%3  die  Amtsbezeichnung  „Magnifizenz“  verlichen  und  1898  ein
Mitglied  des  Lehrkörpers  (Geheimer  Regierungsrat  Prof.  Dr.  ing.  Intze)
als  Vertreter  der  Hochschule  auf  Lebenszeit  ins  Iicrrenhaus  berufen
ward.  Ihre  Krönung  erhielten  diese  äußeren  Anerkennungen  dadurch,
daß  einerseits  1897—9)  für  eine  Reihe  von  Universitätsprüfungen  die
Anrechnung  der  an  einer  technischen  llochschule  verbrachten  Semester
angeordnet  wurde  und  andererseits  am  11.  Oktober  189)  den  technischen
  Hochschulen  das  Recht  der  Verleihung  cigener  akademischer
Grade  verliehen  ward,  auf  Grund  dessen  auch  in  Aachen  Diplonm-Ingenieure
  und  Doktor-Ingenieure  rite  und  ehrenhalber  ernannt  worden
sind.  —

I.  Den  unaufhörlichen  Fortschritten  der  wissenschäftlichen  Erkenntnis
  und  des  praktischen  Lebens  konnte  nur  cin  ständiger  Ausbau
der  Einrichtungen  der  technischen  Hochschule  und  eine  stetige  Vermehrung
  ihres  l.ehrkörpers  genügen;  da  das  Arbeitsgebiet  hinsichtlich
  Ausdehnung  und  Intensität  in  den  cinzelnen  Fächern  immer
größere  Anforderungen  stellte,  mußten  zum  Teil  durch  Abspleißung
von  Sondergebieten  die  einzelnen  Lehrkräfte  entlastet,  zum  Teil  für
neu  auftretende  Aufgaben  neuc  Lehrkräfte  gewonnen  werden;  der
immer  schärfer  hervortretende  akademische  Charakter  erforderte  zudem
eine  weitere  Vertiefung  in  der  Behandlung  der  grundlegenden  allgemein
  wissenschaftlichen  Fächer.  Dazu  kam  die  Ängliederung  des
bergwissenschaftlichen  Studiums,  das  cine  Besonderheit  der  Aachener
Hochschule  geblieben  ist.  So  ist  denn  sehr  bald  der  äußere  Rahmen
der  Anstalt,  den  man  zunächst  für  ihre  Wirkungsstätte  als  angemessen
erachtet  hatte,  zu  eng  geworden.  Ursprünglich  war  mit  einem  Kostenaufwand
  (einschließlich  des  Grund  und  Bodens)  von  rund  3  Millionen
Mark  der  noch  jetzt  stehende  Hauptbau  und  das  alte  chemische
I.aboratorium  hinter  jenem  errichtet.  Schon  1872  wurde  im  Hofe  des
Hauptbaus  ein  großer  Anbau  mit  Zeichensälen  für  die  Ingenicure
notwendig,  dessen  Kosten  in  lIlöhe  von  63000  M.  der  „Aachener