230  Die  einzelnen  technischen  }ochschulen.

herabzusinken,  und  man  glaubte  zudem  den  Plan  mit  erheblich  geringerem  Kostenaufwand
  durchführen  zu  können,  wenn  die  an  der  Technischen  Ilochschule  vorhandenen
Lehrkräfte  und  Einrichtungen  in  den  Dienst  der  neuen  Anstalt  gestellt  werden  konnten.
Der  schnellen  Verwirklichung  des  Ylanes  stellten  sich  aber  mancherlei  Schwierigkeiten
entgegen,  insbesondere  galt  es,  die  in  der  breiteren  Öffentlichkeit  schwebenden  Verhandlungen
  über  die  Gestaltung  des  l.ehrplanes  der  IIandelshochschulen  zu  ciner  ge
wissen  Abklärung  kommen  zu  lassen.  So  vergingen  drei  Jahre,  bis  man  einen  in  allen
Einzelheiten  ausgearbeiteten  Entwurf  den  beteiligten  Ministerien  vorlegen  konnte.  Am
13.  April  1898  wurde  «deren  Genehmigung  erteilt,  und  mit  dem  Beginn  des  Wintersemesters
  1898/99  konnte  dann  die  Einrichtung  unter  dem  Namen  „zweijähriger  Kursus
für  llandelswissenschaften,  angelehnt  an  die  Königliche  Technische  Hochschule  zu
Aachen“  ihre  Wirksamkeit  beginnen.  Erst  1903  wurde  ihr  die  Führung  des  Namens
„Handelshochschule,  angelehnt  an  die  Königliche  Technische  Hochschule“  gestattet  und
damit  auch  nach  außen  kundgegeben,  daß  es  sich  bei  dem  Aachener  Hlandelskursus  um
eine  den  anderen  deutschen  teils  selbständig  bestehenden,  teils  an  andere  Anstalten  angelehnten
  Ilandelshochschulen  gleichwertige  Einrichtung  handelt.

Das  Ziel,  das  man  dieser  Einrichtung  steckte,  war  ein  doppeltes:  man  wollte
denjenigen  Kaufleuten,  welche  berufen  sind,  an  leitender  Stelle  Handels-  und  gewerbliche
  Unterichmungen  zu  verwalten,  eine  akademische  Ausbildung  vermitteln;  je  nachdem
  es  sich  dabei  um  Tersonen  handelte,  die  sich  in  reinen  Handel
(Warenvertriebsanstalten)  betätigen  sollten,  oder  je  nachdem  die  Leitung  gewerblicher
Unternehmungen  (W  dukti  lten)  deren  künftige  Aufgabe  bilden  sollte,  wollte
man  cine  kaufmünnische  und  eine  kaufimännisch-technische  Ausbildung  bieten,  bei  welch
letzterer  ein  höheres  Maß  technischer  Kenntnisse  erstrebt  werden  sollte,  während  bei  den
ersteren  mehr  Gewicht  auf  Sprachstudien  gelegt  wurde.  Im  laufe  der  Zeit  stellte  sich
aber  heraus,  daß  diese  Scheidung  nicht  zweckmäßig  war.  Auch  die  lediglich  für  die
l.eitung  kaufmännischer  Geschäfte  bestimmten  Studierenden  bedürfen  der  Einführung  in
die  Produktion  der  Waren,  sodaß  ihnen  Gelegenheit  zur  Erwerbung  der  Kenntnis  der
Grundlagen  der  Produktionstechnik  der  wichtigsten  Waren  geboten  werden  muß;  und
umgekehrt  genügt  zur  selbständigen  Leitung  gewerblicher  Unternehmungen  eine  im
Rahmen  eines  zweijährigen  Handelshochschulstudi  gebotene  Einführung  in  die  Grundlagen
  der  Produktionstechnik  nicht.  Deshalb  hat  man  seit  1901  diese  Zweiteilung  des
L.chrplanes  fallen  gelassen  und  hält  folgenden  Weg  für  den  normalen:  Im  allgemeinen
erhalten  alle  Studierenden  der  Handelswissenschaften  neben  der  kaufmännischen  Durchbildung
  Gelegenheit,  die  Grundzüge  der  hauptsächlichsten  Produktionstechniken  kennen  zu
lernen,  sodaß  sie  die  Leitung  kaufmännischer  Geschäfte  übernehmen  können.  Wer
sich  aber  speziell  für  den  Beruf  eines  J.eiters  großgewerblicher  Unternchmungen  ausbilden
will,  wird  auf  den  Weg  des  regelmäßigen  Studiums  der  Technik  mit  einer  gründlichen
Einführung  in  deren  Ylilfswissenschaften  verwiesen  und  erhält  an  der  Handelshochschule
nur  die  für  die  geschäftliche  Organisation  und  den  kaufınännischen  Betrieb  notwendige
wissenschaftliche  Ausbildung  in  einem  Umfang,  wie  er  über  den  Rahmen  der  technischen
Hochschulbildung  weit  hinausgeht.

Mit  diesem  Ziel  war  das  Unterrichtsgebiet  gegeben,  das  im  I.chrplan  bearbeitet
  werden  mußte.  Im  Mittelpunkt  der  Unterweisung  steht  die  volkswirtschaftliche
Ausbildung:  Neben  einer  Einführung  in  die  wissenschaftliche  Behandlung  der  Volkswirtschaft
  erfolgt  eine  gründliche  Darstellung  des  }landels  und  der  Ilandelspolitik  sowie
des  Geld-,  Bank-  und  Börsenwesens.  Außerdem  wird  die  Kenntnis  der  bestehenden
Volkswirtschaften  und  ihrer  ursächlichen  Bedingtheit  durch  die  natürlichen  Grundlagen
in  der  Statistik  und  der  Wirtschaftsgeographie  gegeben.  Dice  technische  Seite  des  Wirtschaftslebens
  wird,  soweit  ihre  Kenntnis  für  den  Kaufmann  nötig  ist,  in  der  Warenkunde
behandelt;  für  diejenigen,  welche  genauer  in  die  technischen  Vorgänge  eindringen  wollen,
stehen  die  enzyklopüdischen  Vorlesungen  und  einzelne  Teile  der  großen  technischen  Vor-