29)  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

Hlauptgegenstände  des  Ilochschulunterrichts,  von  denen  6  obligatorisch  sind,  während  dem
Prüfling  außer  diesen  die  Wahl  zwischen  verschiedenen  Gebieten  der  Technik  und  des
spezifisch  kaufmännischen  Unterrichts  freisteht.  Bisher  haben  sich  7  Kandidaten  dieser
Prüfung  unterzogen.

Die  l.ehrkräfte  der  Ilandelshochschule  sind  zum  Teil  die  gleichen,  wie  die  der
Technischen  llochschule.  Nur  für  diejenigen  Fächer,  welche  im  lJ.elhrkörper  der  Technischen
  Jlochschule  noch  nicht  vertreten  waren,  mußten  eigene  ])ozenten  gewonnen
werden,  die  teils  hauptamtlich  angestellt  sind,  teils  neben  ihrer  Berufstätigkeit  den  Unterricht
  an  der  Handelshochschule  erteilen.  Durch  diese  eigentümliche  Zusammensetzung
des  Lehrkörpers  ist  einmal  in  der  Anlehnung  an  die  Technische  Hochschule  die  sichere
Gewähr  eines  akademischen  Unterrichtsbetriebs  gegeben,  andererseits  durch  die  enge  Beziehung
  zur  Praxis  des  Berufilebens  ein  Gegengewicht  gegen  eine  zu  einseitig  theoretische
Richtung  des  Unterrichts  vorhanden.  Es  fällt  außerdem  für  die  Kosten  der  Hlandelshochschule
  wesentlich  ins  Gewicht,  daß  diese  lichrkrüfte  nur  Ergünzungen  zu  ihrem  Gehalt
  nach  dem  Maßstab  der  geleisteten  Stunden  beziehen;  ebenso  ist  es  als  eine  fAnanzielle
  Erleichterung  von  großer  Tragweite  zu  bezeichnen,  daß  die  Räume  der  Hochschule
  und  deren  Sammlungen  und  dergleichen  kostenlos  zur  Verfügung  gestellt  werden.
Im  Jahre  1902,/3  waren  16  Professoren  und  J)ozenten  der  Technischen  Hochschule  für
die  Handelshochschule  tätig.  Außerdein  wirkten  an  ihr  3  Dozenten  iın  Ilauptamt,  —  zwei
für  den  Sprachunterricht  und  einer  für  die  kaufmännischen  Fächer  —  sowie  4  Dozenten
im  Nebenamt  —  je  einer  für  Wirtschaftsgeographie,  Sprachunterricht,  Rechtswissenschaft
und  Stenographie.  —  Von  diesen  wurden  im  ganzen  60  Vorlesungen  und  Übungen  gehalten,
  von  denen  17  auf  das  L,chrgebiet  der  ‘Technischen  Hochschule  entfallen.

Die  Verwaltung  der  }Handelshochschule  liegt  in  den  lländen  eines  Kuratoriuns,
dessen  Vorsitzender  der  Rektor  der  Technischen  Hochschule  ist,  und  dem  neben  drei
Mitgliedern  des  Lehrkörpers  der  Technischen  Hlochschule  3  Vertreter  derjenigen  Korpvrationen
  angehören,  welche  die  (seldmittel  für  die  }Handelshochschule  aufbringen.  Das
Kuratorium  ist,  vorbehaltlich  der  Genehmigung  des  Etats  und  der  Anstellung  der  Dozenten
  im  Jlauptamt  durch  die  Ministerien  des  Kultus  und  für  Handel  und  Gewerbe,
selbständig.  Für  die  Leitung  des  Unterrichtsbetriebes  ist  nach  Analogie  der  Abteilungen
der  Technischen  }Hochschule  eine  Organisation  des  Lehrkörpers  geschaffen,  welchem  diejenigen
  Dozenten  der  Technischen  Hochschule,  welche  für  die  Ilandelshochschule  Vorlesungen
  halten,  und  die  Dozenten  der  Handelshochschule  angehören;  indes  sind  die

beft  dieses  Dozentenkollegiums  nicht  so  ausgedehnte  wie  die  ciner

Hochschulabteilung.

Die  Mittel  zur  Durchführung  der  Einrichtung  sind  von  den  Aachener  Korporationen
  aufgebracht  worden,  deren  Freigebigkeit  für  Hochschulzwecke  schon  gelegentlich
der  Gründung  und  Ausgestaltung  der  Technischen  llochschule  geschildert  worden  ist.
Der  „Verein  zur  Beförderung  der  Arbeitsamkeit“,  die  Handelskammer  und  die  „Aachener
und  Münchener  Feuer  llschaft“  haben  sich  verpflichtet,  zunächst  für  die
Dauer  von  10  Jahren,  vom  Herbst  1898  an  gerechnet,  die  Summe  von  14000  Mark
jährlich  zur  Verfügung  zu  stellen.  Die  eigenen  FKinnahmen  der  Hlandelshochschule  bestehen
  in  erster  Linie  aus  dem  Unterrichtshonorar,  von  dem  250%,  an  die  lozenten  abgeführt
  werden.  Was  an  dem  Erfordemis  durch  diese  Summen  nicht  aufgebracht  wird,
stellt  bis  zur  Höhe  von  jährlich  7000  M.  ein  Aachener  Industrieller  zur  Verfügung.

Der  Besuch  der  Handelshochschule  hat  den  Erwartungen  bisher  nicht  entsprochen.
  Zwar  hat  man  von  Anfang  an  immer  nur  auf  eine  kleine  Hörerschaft  gerechnet,
  denn  der  Bedarf  an  akademisch  gebildeten  Kaufleuten  ist  ein  verhältnismäßig
geringer.  Aber  trotzdem  hat  die  Zahl  der  Hlörer  bisher  nie  die  llälfte  dessen  überschritten,
  worauf  man  gerechnet  hatte.  Freilich  darf  man  nun  die  in  der  ofnziellen  Besuchsstatistik
  nachgewiesene  Zahl  von  Zuhörern  nicht  unmittelbar  mit  den  Besucherzahlen
der  selbständigen  Handelshochschulen  in  Vergleich  setzen.  Denn  einmal  erscheinen,  in-