Königlich  Baversche  technische  Hochschnle  zu  München.  295
naturwissenschaftlich-mathematischen  Studien  dienen  sollten.  Dabei  waren  diese  letzteren
für  die  Ausbildung  künftiger  Industrieller,  Kaufleute,  Künstler,  Kameralisten,  Forstmänner,
Naturforscher  und  Oftiziersaspiranten  bestimmt.  Vollständige  Realstudienanstalten  wurden
in  Augsburg  und  Nürnberg  errichtet,  eine  Realschule  u.  a.  auch  in  München.  Indes
konnten  diese  Anstalten,  in  denen  ein  eigentlich  technischer  Fachmnterricht  fehlte,  obwohl
mit  tüchtigen  Lehrkräften  ausgestattet,  nicht  richtig  Wurzel  fassen;  die  beiden  Realinstitute
  wurden  1816  wieder  aufgehoben,  die  Realschulen  in  Bürgerschulen  verwandelt
und  erst  zu  Anfang  der  dreißiger  Jahre  entwickelten  sich  Gewerbeschulen  und  landwirtschaftliche
  Schulen  für  die  Redürfnisse  des  Giewerbe-  und  Tlandelsstandes  nnd  als  vor
bereitende  Anstalten  höherer  technischer  Schulen.  Aus  ihnen  sind  dann  im  l.aufe  der
Entwicklung  die  technischen  Mittelschulen  Bayerns  in  ihrer  heutigen  Gestalt,  gegliedert
in  sechsklassipge  Realschulen  und  zwei-  bezw.  dreiklassige  Industrieschulen,  hervorgegangen.


Die  Vorschläge  für  die  Gründung  höherer  technischer  Schulen  tauchten  init  den
Jahren  1815  und  1816  wieder  auf,  veraulaßt  durch  die  große  Entwicklung,  welche  seit
Erfindung  der  Dampfmaschine  und  der  daraus  hervorgegangenen  Belebung  aller  Zweige
der  Industrie  die  gesamte  Technik  genommen  hatte;  insbesondere  machte  sich  (das
Bedürfnis  nach  einer  besseren  Fachbillung  der  technischen  Beamten  des  Staates  geltend.
Die  Vorschläge  für  die  Errichtung  einer  polytechnischen  Schule  in  München  hatten  dabei
einesteils  eine  höhere  IL.chranstalt  nach  dem  Muster  der  1795  gegründeten  Ecole  polytechnique
  in  Paris  im  Auge,  andernteils  das  neneröffnete  polytechnische  Institut  in  Wien;
doch  scheute  man  zunächst  noch  vor  der  Errichtung  einer  größeren  selbständigen  Anstalt
zurück  und  wollte  die  Ausbildung  wenigstens  der  staatlichen  "Techniker  un  «lie  Universitäten
  gelegt  wissen.

Gleichlaufende  Bestrebungen  zeigte  die  im  Jahre  1815  erfolgte  Gründung  des
noch  heute  bestehenden  polytechnischen  Vereins  in  München,  der  im  Jahre  1816  als
„Polytechnischer  Verein  für  Bayern“  die  staatliche  Anerkennung  fand.  Auch  der  königlichen
  Akademie  der  Wissenschalten  wnrde  erneut  in  «dem  18233  revidierten  Statut  die
‚Aufgabe  gestellt,  speziell  „diejenigen  Wissenschaften  zu  fördern,  von  welchen  zunächst
die  Ökonomie  nnd  der  Kunstlleiß  abhängig  ist“.  Aus  dem  Jahre  1823  stammt  dann  cine
ausführliche  und  bedeutsame  Denkschrift  von  Georg  von  Reichenbach  und  Josef  von
Fraunhofer  über  die  Errichtung  einer  Hochschule,  welche  alle  technischen  Studien  umfassen
  und  sowohl  zur  Ausbiklung  von  Männern  der  Industrie  als  von  technischen  Beanten
  des  Staates  dienen  sollte.  Allein  erst  im  Jahre  1827  kam  dieser  Plan  zur  Ausführung
  mit  der  Errichtung  der  polytechnischen  Zentralschule  in  München,  die  unter  die
Leitung  von  Josef  von  Utzschneider  gestellt  wurde.  Die  Einrichtung  der  Schule  freilich
und  die  ihr  gewährten  Mittel  entsprachen  den  ursprünglichen  Plänen  und  auch
den  Wünschen  ihrer  Leiter  nicht,  namentlich  wegen  der  kümmerlichen  Lehrmittel  und
wegen  des  wenig  brauchbaren,  meist  ganz  ımvorbereiteten  Schülermaterials;  ver  wie
anderwärts  ınußten  erst  die  vorbereitenden  Schulen  geschaffen  werden,  ehe  mun  an  die
Jösung  der  Lehrziele  für  eine  technische  Hochschule  gehen  konnte.  30  traten  schon
nach  sechs  Jahren  an  die  Stelle  der  aufgelösten  Zentralschule  drei  neue  polytechnische
Schulen  in  München,  Augsburg  und  Nürnberg,  während  die  schon  obenerwähnten  Gewerbs-
  und  Landwirtschaftsschulen  als  vorbereitende  Anstalten  für  diese  dienen  sollten;
die  staatswirtschaftliche  Fakultät  in  München  aber  sollte,  zu  einer  technischen  IHochschule
erweitert,  schließlich  die  höchste  technische  Ausbildung  gewähren.  Nach  ihrer  Richtung
waren  diese  drei  polstechnischen  Schulen  als  reine  Fachschulen  gedacht,  so  zwar,  daß
der  Münchener  Anstalt  in  erster  Linie  die  Bautechnik,  der  Nürnberger  die  Metallindustrie
und  der  Augsburger  die  Textilindustrie  und  «die  technische  Chemie  zugewiesen  war.  In
der  weiteren  Entwicklung  dieser  Schulen  trat  das  Bestreben,  sie  zu  eigentlichen  Hochschulen
  auszubilden,  maunigfach  zutage;  insbesondere  gestaltete  sich  der  Unterricht  im
Ingenieurwesen  an  der  Münchener  Tlochschule  weiter  aus  und  führte  zu  einer  an  diese

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  IV.  ı.  15