296  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

angeschlossenen  Bau-  und  Ingenieurschule,  dabei,  einem  auch  anderwärts  befolgten  Entwicklungsgange
  gemäß,  die  Ausbildung  der  Bauingenieure  mit  der  der  Architekten  vereinigend.


Inzwischen  hatte  die  Entwicklung  technischer  Lehranstalten  in  den  Ländem
deutscher  Zunge  ınchrfach  zu  Schulen  von  jausgesprochenem  Ilochschulcharakter  geführt;
so  in  Wien  schon  seit  der  Gründung  der  dortigen  technischen  Schule  in  Jahre  1815,
in  Karlsruhe  seit  der  Neuorganisation  von  1832,  in  Zürich,  welches  im  Jahre  1854
auf  Grund  eines  umfassenden  Lehrplanes  ins  Leben  gerufen  war.  Weiterhin  trat  der
Verein  deutscher  Ingenieure  mit  ausführlichen  Darlegungen  für  die  Ausgestaltung  technischer
  Hochschulen  ein,  und  so  drängte  die  Entwicklung  auch  in  Bayern  nach  einer
Umgestaltung  des  technischen  Unterrichtswesens.  Sie  konnte  nur  auf  der  Grundlage  einer
Reorganisation  des  Mittelschulunterrichts  erfolgen,  welche  um  das  Jahr  1864  mit  der
Neuorganisation  der  Gewerbe-  und  Industrieschulen  (in  welche  die  drei  bisherigen  polytechnischen
  Schulen  übergeführt  wurden)  und  mit  der  Errichtung  von  Realgymnasien  ins
T.eben  trat.  Die  vierklassigen  Gewerbeschulen  (später  in  sechsklassige  Realschulen  uıngewandelt)
  und  im  Anschluß  daran  die  zweijährigen  Industrieschulen  (als  technische
Mittelschulen)  sollten  einen  ersten  Zugang  für  die  neu  zu  gründende  Hochschule  bilden,
auf  der  anderen  Seite  die  an  vierklassige  Lateinschulen  anknüpfeuden  Realgymnasien
und  endlich  direkt  die  humanistischen  Gymnasien  zur  Ilochschule  führen.  Das  so  für  die
technische  Hochschule  geschaffene  Schülermaterial  ist  kein  einheitliches,  insofern  die  aus
der  technischen  Mittelschule  hervorgegangenen  Schüler  in  den  graphischen  und  mathematischen
  Füchern  eine  weitergehende  Ausbildung  erfahren  huben,  die  den  Gymnasien
entstammenden  eine  höhere  sprachliche  Durchbildung.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  daraus
für  die  Anfangsvorlesungen  sich  gewisse  Schwierigkeiten  ergaben;  dennoch  hat  die  Erfahrung
  gezeigt,  daß  andererseits  (las  Zusammentreflen  von  Schülern  mit  so  verschiedenartiger
  Vorbildung  einen  gegenseitigen  Wettstreit  der  Leistungen  hervorruft,  welcher  den
gesamteu  Unterrichtserfolgen,  namentlich  in  den  konstruktiven  Füchern  zu  gute  kommt.

Auf  der  genannten  Grundlage,  die,  von  einzelnen  Umgestaltungen
der  Lehrpläne  abgeschen,  auch  heute  noch  besteht,  wurde  im  Jahre
1868  die  polytechnische  Schule  in  München  ins  Leben  gerufen  mit
der  Aufgabe,  „eine  vollständige  theoretische  Ausbildung  in  den
technischen  Fächern,  sowohl  in  den  für  die  allgemeine  Ausbildung
erforderlichen  Kenntnissen  als  auch  in  denjenigen  besonderen
Disziplinen,  welche  auf  den  exakten  Wissenschaften  und  den  darstellenden
  Künsten  beruhen,  zu  gewähren“,  Es  ist  das  Verdienst
des  damaligen  Handelsministers  von  Schlör  und  des  ersten  Direktors
der  Schule,  des  Geodäten  Max  von  Bauernfeind,  die  Grundlagen  der
Schule  nach  der  wissenschaftlichen  wie  auch  der  praktischen  Seite
mit  freiem  Blick  gelegt  zu  haben.  Und  wenn  heute  die  Entwicklung
der  Technik  nach  mannigfacher  Richtung  eine  weitere  Ausgestaltung
und  Neubelebung  der  einzelnen  Zweige  des  Unterrichts  erfordert,
so  knüpft  sie  dieselbe  an  einen  lebensvollen  Organismus  an,  welcher
im  Laufe  der  35  Jahre  des  Bestehens  der  Hochschule  jederzeit  den
sich  steigernden  Forderungen  wissenschaftlicher  und  praktischer  Ausgestaltung
  gerecht  zu  werden  bemüht  war.