Die  Königlich  Sachsische  technische  Hochschule  zu  Dresden.  244

wurde.  Jedoch  schon  im  Jahr  darauf  finden  wir  den  Allgemeinen
Kursus  als  nicht  mehr  zeitgemäß  aufgehoben  und  statt  seiner  eine
fünfte  den  andern  gleichgestellte  Abteilung  der  nun  zu  einem
„Polytechnikum“  erhobenen  Anstalt,  die  „Allgemeine  wissenschaftliche
  Abteilung“,  in  der  später  die  Lehrerabteilung  aufgehen
  sollte.  Als  sechste  gesellte  sich  cine  Hochbauabteilung
1875  hinzu,  in  einer  Zeit,  als  bereits  das  dritte  Haus  bezogen  wurde,
das,  unter  Oberaufsicht  des  dem  Professorenkollegium  angehörenden
Architekten  Rudolf  Heyn  erbaut,  einen  achtzignal  größeren  Raum
bot,  als  das  erste,  ın  einer  Zeit,  da  bereits  der  vierte  und  letzte
Direktor  seine  fruchtbare  Tätigkeit  begonnen  hatte,  Gustav  Zeuner,
zuletzt  Direktor  der  Freiberger  Bergakademie,  vorher  Professor  am
Polytechnikum  in  Zürich.  Ihm  verdankt  die  Anstalt  ein  gutes  Teil
ihres  inneren  Ausbaues,  die  FEinfügung  neuer  Lehrzweige  in  alle
Abteilungen,  die  Stärkung  des  I.chrkörpers,  schließlich  den  ersten
Intwurf  zu  dem  1890  in  Kraft  getretenen  neuen  Statut,  das  kein
Polytechnikum  mit  ständigem  Direktorat  mehr  kennt,  sondern  cine
technische  Hochschule  mit  Wahlrektorat  und  das  den  einzelnen
‚Abteilungen  größere  Selbständigkeit  und  Freiheit  gewährt.

Unter  den  Männern,  die  die  Dresdener  Hochschule  in  den  letzten
drei  Jahrzehnten  durch  Wegberufung,  Rücktritt  oder  Tod  verloren
hat,  waren  die  Mathematiker  Leo  Königsberger  (folgte  1877  einem
Ruf  an  die  Universität  Wien,  lehrt  heute  an  der  in  Jleidelberg),
‚\urel  Voß  (1885  an  die  Münchener  Technische  Hochschule  berufen,
lehrt  heute  an  der  dortigen  Universität)  und  Axel  Harnack,  der  trotz
Berufungen  nach  Rostock,  Aachen  und  München  bis  zu  seinem  Tode
1888  Dresden  treublieb;  ferner  der  Kunst-  und  Literarhistoriker
Hermann  Hettner  (gest.  1882);  der  Chemiker  Rudolf  Schmitt,  bekannt
durch  die  von  ihm  gefundene  und  klar  gedeutete  Synthese  der  Salicylsäure
  (zurückgetreten  1893,  gest.  1898);  die  schon  genannten
August  Nagel  (zurückgetreten  1893,  gest.  I%W3)  und  Hans  Bruno
(seinitz  (zurückgetreten  1894,  gest.  1900);  der  Ingenieur  Wilhelm
Fränkel  (gest.  1895);  der  auf  dem  Gebiet  der  technischen  Thermodynamik
  und  Hydraulik  geschätzte  Gustav  Zeuner  (zurückgetreten
1897);  der  Physiker  August  Toepler,  hochverdient  durch  experimentelle
J.eistungen  (Quecksilberluftpumpe,  Influenzmaschine,  Drucklibelle  u.  a.)
und  theoretische  Arbeiten,  und  der  Ingenieur  Ötto  Mohr,  der  die
technische  Mechanik  durch  gründliche  Untersuchungen  in  klassischer
Form  gefördert  hat  (beide  zurückgetreten  1900);  schließlich  der  feinsinnige
  Technologe  Ernst  Hartig  (gest.  10V).

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  IV,  ı.  16