Die  Königlich  Württembergische  technische  Hochschule  in  Stuttgart.  247

Organisatton  en.  Die  sicbente  Klasse  der  Realschule  wurde  abgetrennt,  die  achte  zu
zwei  Jahreskursen  erweitert  und  die  neue,  aus  drei  solchen  bestehende  Anstalt  als  Gewerbeschule
  selbständig  gestellt.

Die  Zahl  der  Hauptlchrer  wurde  durch  Anstellung  weiterer  Lehrkräfte  von  zwei
auf  sechs  gebracht,  Die  neu  emtretenden,  im  Alter  von  14  bis  15  Jahren  stehenden
Schüler  ınußten  eine  Aufnahmeprüfung  in  der  deutschen  Sprache,  der  niederen  Arithmetik
und  der  ebenen  Geometrie  bestehen.  Schon  im  folgenden  Jahre  stieg  die  Zahl  der
Schiller  auf  mehr  als  200,  wovon  beinahe  ein  Drittel  Architektur  studierte.  Bald  machte
sich  das  Bedürfnis  nach  Finrrichtung  eines  4.  Kurses,  Einführung  neuer  Unterrichtszweige
und  Anstellung  weiterer  I.chrkräfte  geltend,  und  nachdem  hierfür  der  erforderliche  Raum
geschaffen  worden  war,  erhielt  die  erweiterte!  Anstalt  nach  einem  Besuche  Seiner  Majestät
des  Königs  Wilhelm  ]J.  am  2.  Januar  1840  den  Namen  „Polytechnische  Schule“.

An  dieser  bestanden  nunmehr  4  Jahreskurse.  Der  erste  war  vorbereitend  und
umfaßte  folgende  obligatorischen  Fächer:  Aritimetik,  Geometrie,  Trigonometrie,  Freihandzeichnen,
  Deutsch,  Französisch,  Englisch,  Geographie,  Geschichte  und  Religion.  In
den  oberen  Kursen  erstreckte  sich  der  Unterricht  auf  ‚Trigonometrie,  analytische  und
darstellende  Geometrie,  Mechanik,  Naturgeschichte,  Chemie  und  Physik,  sowie  auf  die
technischen  Fächer:  Baukonstruktionen,  Bauknnde,  Maschinenkunde,  Strußen-,  Brückenund
  Wasserbau.  Es  wurden  vier  Berufsarten  der  ordentlichen  Schüler  unterschieden:
die  mechanisch-technische,  die  technisch-chemische,  ‚die  kaufmännische  und  das  Lehramt.
Neben  sechs  wissenschaftlich  und  zwei  künstlerisch  ausgebildeten  Hänptlchrerm  wirkten
noch  mehrere  Fach-  und  Hilßlehrer.

Durch  Ministerialerlaß  vom  21.  Februar  1845  wurde  der  erste  Kurs  aufgehoben
und  dafür  an  der  Realschule  in  Stuttgart  eine  weitere  Klasse  mit  zwei  Abteilungen  eingerichtet.
  Ferner  wurden  von  jener  Zeit  an  die  sogenannten  Winterschüler,  welche  sich
meist  dem  Bauhandwerk  widmeten,  nicht  mehr  in  die  polytechnische  Schule  aufgenommen,
sondern  der  am  1.  November  1845  eröffneten  „\Winterbaugewerkeschwle“  (jetzt  K.  Baugewerkeschule
  genannt)  zugewiesen.  Den  verbleibenden  drei  Kursen  wurden  sodanın  noch
zwei  höhere  angefügt,  teils  um  deren  übermäßige  Stundenzahl  zu  verinindern,  teils  auch
um  innerhalb  Württembergs  eine  vollständige  Vorbereitung  auf  die  Staatsprüfung  im
Baufache  zu  ermöglichen.

Die  Feststellung  der  neuen  Kinrichtung  erfolgte  durch  eine  Ministerialverfügung
vom  3.  März  1847.  Eine  wesentliche  Änderung  im  Studienplan  bestand  darin,  daß  der
Unterricht  in  den  rein  theoretischen,  allen  Polytechnikern  gemeinschaftlichen  Fächern  von
demjenigen  in  den  praktischen  zeitlich  in  der  Art  getrennt  wurde,  daß  jener  dem  ersten
und  zweiten,  dieser  dm  vierten  nnd  fünlten  Jahreskurse  zugeteilt  wurde.  Das  mittlere,
dritte  Jahr  bildete  insofern  einen  Übergang,  als  in  ihm  nach  absolvierter  reiner  Mathematik
  «die  höhere  Mechanik,  die  praktische  Geometrie,  Physik,  Chemie,  Mineralogie  und
Geognosie  und  außerdem  verschiedene  Zweige  des  Zeichnens  vorkamen.  Da  seit  1845
der  Eintritt  im  15.  Altersjahr  erfolgte,  sd  war  inunmehr  der  Techniker  im  Alter  von
20  Jahren  mit  seiner  Schulbildung  fertig  und  init  den  für  die  erste  Staatsprüfung  im
Baufache  erforderlichen  Kenntnissen  ausgestattet.

Um  diese  Zeit  wirkten  8  Hauptichrer  an  der  Schule,  und  zwar  ro  Architektur,
2  für  Mathematik  und  je  1  für  Physik,  Chemie  und  Naturgeschichte.  m  Jahre  1849
kam  noch  je  1  Hauptlehrer  für  Maschinenbau  und  für  1  wissenschaften  dazu,
womit  der  Anfang  zu  größerer  Vielseitigkeit  der  bis  dahin  wesentlich  der  Architektur
dienenden  Anstalt  gemacht  war.  as  gleiche  Jahr  brachte  noch  eine  weitere  Neuerung
nämlich  die  Anstellung  von  Kepetenten  für  einige  Fächer.

Mitte  der  fünfziger  Jahre  beschüftigte  sich  der  „Verein  für  Baukunde‘“  mit  einer
Abänderung  der  Bauprüfungsorduung  und  einer  damit  zusammenhängenden  Neugestaltung
der  polytechuischen  Schule.  Seine  Hauptforderung  war  die  Einschaltung  eines  Jahres