248  Die  einzelnen  technischen  Huchschulen.

praktischer  Berufstätigkeit  nach  dem  dritten  Schulkurse.  Da  man  jedoch  befürchtete,
daß  die  Unterbrechung  des  Studiums  verschiedene  Übelstände  mit  sich  bringen  würde,
so  suchte  man  sich  dieser  l’orderung  durch  Einrichtung  von  I.chrwerkstätten  und  Werkplätzen
  gerecht  zu  werden,  wodurch  indessen  der  gewünschte  Zweck  nicht  erreicht  wurde.

Noch  von  einem  andern  Standpunkt  aus  wollte  man  der  Schule  zu  einer  mehr
praktischen  Richtung  helfen.  Der  als  technische  Aufsichtsbehörde  eingesetzte  Schulrai,
in  welchem  die  lehrer  der  Anstalt  die  Mehrheit  hatten,  scheint  sich  trotz  wiederholter
Änderungen  in  seiner  Zusainmensetzung  nicht  recht  bewährt  zu  haben.  Infolgedessen
strebte  man  eine  teue  Organisation  an,  welche  nach  langen  Verhandlungen  durch  die
am  16.  April  1862  von  Seiner  Majestät  König  Wilheln  I.  genehmigten  „Organischen
Bestimmungen  für  die  polytechnische  Schule“  vemirklicht  wurde.  Diese
unterschieden  eine  untere,  mathematische  Abteilung  mit  zwei  Klassen,  und  eine  obere,
technische  Abteilung  mit  den  vier  Fachschulen  für  Architektur,  Ingenieurwesen,  Maschinenbau
  und  chemische  Technik.  Die  mathematische  Abteilung,  mit  welcher  bis  zum
Jahre  1869  eine  besondere  Handelsklasse  verbunden  war,  erhielt  einen  ständigen  Kektor,
während  an  die  Spitze  der  gesannten,  nunmehr  dem  Kultusministerium  unmittelbar  unterstellten
  Schule  ein  jährlich  zu  wählender  Direktor  kaın.

Die  regelmäßige  Ausbildung  des  Technikers  begann  jetzt  mit  der  Realschule  in
ihren  acht  Klassen,  in  welchen  die  niedere  Mathematik  vollständig  behandelt  wurde.
Nach  einer  Aufnahmeprüfung  fand  im  Alter  von  16  Jahren  der  Eintritt  in  die  mathematische
  Abteilung  statt,  in  welcher  die  gesamte  höhere  Mathematik  mit  Fänschluß  der
theoretischen  Mechanik,  und  von  den  Naturwissenschaften  die  Botanik  und  die  Zoologie
behandelt  wurden.  Nach  zweijührigem  Studium  konnte  die  technische  Reifeprüfung
  gemacht  werden,  deren  Frstehung  die  Berechtigung  zu  kürzerer  militärischer
Dienstleistung  und  zum  Bezug  von  Stipendien  gab,  jedoch  zum  Übertritt  in  die  technische
  Abteiling  nicht  verlangt  wurde.  Diese  umfaßte  ein  dreijjähriges  Studium,  sodaß
der  Austritt  im  Alter  von  21  Jahren  erfolgen  konnte.  Die  Zahl  der  Hauptlehrer  betrug
damals  20,  diejenige  der  übrigen  Lehrknifte  24.

Mit  der  Entwicklung  der  Schule  machte  sich  auch  das  Bedürfnis
  nach  entsprechenden  Räumlichkeiten  geltend.  Schon  im
Jahre  1842  war  die  Frage  eines  Neubaues  angeregt,  jedoch  wegen
der  damaligen  ungünstigen  Finanzlage  nach  verschiedenen  Verhandlungen
  zurückgestellt  worden.  Im  Anfange  der  fünfziger  Jahre  nahm
man  einige  Verbesserungen  an  den  alten  Schulräumen  vor,  und  ini
Jahre  1854  wurde  ein  neues  laboratorium  für  Chemie  in  Angriff
genommen.  Behufs  Erledigung  der  immer  dringlicher  werdenden
Neubaufrage  wurden  350000  Fl.  in  dem  Etatsentwurf  für  1859-61
bereitgestellt  und  Baupläne  eingefordert.  Nach  Genchmigung  des
von  dem  früheren  Schüler  der  Anstalt,  Hofbaumeister  (nachherigen
Hofbaudirektor)  Egle  ausgearbeiteten  Planes  begann  im  Jahre  1860
unter  seiner  Oberleitung  der  Neubau,  für  welchen  noch  weitere
136  000  Fl.  bewilligt  wurden.  Im  September  1864  war  der  im
italienischen  Renaissancestil  errichtete  stattliche  Bau  vollendet.  Die
Einweihungsfeier  fand  am  30.  September  und  1.  Oktober  1864  statt.
Im  Jahre  1870  wurde  ein  wesentlicher  Schritt  zur  Erweiterung  der
technischen  Abteilung  und  zu  der  schon  lange  als  wünschenswert