Die  Königlich  Württembergische  technische  Hochschule  in  Stuttgart.  &gt;51

weiterer  Ausbildung  gegeben.  Insbesondere  können  hier  T.chrantskandidaten
  die  für  die  Reallehrer-  und  die  realistische  Professorats-Prüfung
  vorgeschriebenen  Fächer  hören.  Über  die  Aufnahme  von
Pharmazeuten  cnthalten  die  organischen  Bestimmungen  vom  Jahre
1876  folgende  besondere  Vorschrift:  „Pharmazeuten  werden  in  die
Fachschule  für  chemische  Technik  als  ordentliche  Studierende  auch
dann  aufgenommen,  wenn  sie  über  die  erlangte  wissenschaftliche
Qualifikation  zum  ceinjährig-freiwilligen  Militärdienst  und  über  vier-Jährige
  Dienstzeit  !in  einer  Apotheke  sich  ausweisen.  In  \Vürtternberg
  war  das  pharmazeutische  Studium  an  der  polytechnischen  Schule
des  l.andes  für  die  Zulassung  zur  Apothekerprüfung  schon  über
30  Jahre  anerkannt,  als  der  Bundesrat  laut  Bekanntmachung  des
Reichskanzleranıts  vom  17.  Mai  1872  beschloß,  daß  der  Besuch  der
polytechnischen  Schule  in  Stuttgart  dem  Besuche  einer  Universität
im  Sinne  der  Vorschriften  für  die  Prüfung  der  Apotheker  gleich  zu
achten  und  zu  gestatten  sei,  daß  die  pharmazeutische  Approbationsprüfung
  nach  Maßgabe  dieser  Vorschriften  vor  einer  pharmazeutischen
Examinationskommission  bei  der  polytechnischen  Schule  abgelegt
werden  dürfe.  Demgemäß  besteht  an  letzterer  seit  dem  Wintersemester
  1872  —  73  eine  pharmazeutische  Prüfungskommission.

Durch  die  organischen  Bestimmungen  vom  Jahre  1876  hatte  die
langjährige  Entwickelung  der  polytechnischen  Schule  zur  reinen  technischen
  Hlochschule  einen  vorläufigen  Abschluß  gefunden;  von  nun
ab  handelte  es  sich  weniger  um  die  Organisation  der  Hochschule,  als
um  zeitgemäße  Ausgestaltung  der  Unterrichtsgegenstände,  Vermehrung
  des  Lehrkörpers,  Erstellung  neuer  Institute  und  Schaffung
entsprechender  Räume.

Im  Oktober  1879  beging  das  Polytechnikum  die  Doppelfeier
des  fünfzigjährigen  Jubiläums  und  der  HKinweihung  des
neuen  Flügelanbaues.  Der  Neubau  enthält  außer  zahlreichen
Hörsälen,  Professorenzimmern  und  Sammlungsräumen  auch  den
Sitzungssaal  des  Senats,  das  Amtszimmer  des  Rektors,  die  Räume
für  die  Verwaltung  sowie  die  Bibliothek  mit  I.esezimmer,  und  bietet
2700  qm  nutzbaren  Zimmerraum,  was  für  den  Haupt-  und  Flügelbau
zusammen  in  103  Sälen  und  Zimmern  cine  nutzbare  Zimnierfliche
  von  5680  qm  ausmacht.  Dice  Kosten  beliefen  sich  auf  etwa
900  000  AM.

Die  1869  an  der  Architekturfachschule  für  den  kunstgewerb-.
lichen  Unterricht  gebildete  Unterabteilung  wurde  1881  als  Kunstscwerbeschule
  unter  einen  eigenen  Vorstand  gestellt,  1986  ganz