Die  Königlich  Württembergische  technische  Hochschule  in  Stuttgart.  355

weisungskurs  im  Heizen  von  Dampfkesseln  durch  Studierende
unter  Anleitung  eines  Lehrheizers  während  der  Frühjahrsferien.  Da
das  zunächst  im  Hauptgebäude  untergebrachte  Laboratorium  in  den
Raumverhältnissen  wie  in  seinen  Finrichtungen  ungenügend  war,  so
wurde  1898-1900  in  der  Vorstadt  Berg  em  Neubau  mit  einem  Kostenaufwand
  (ohne  Grunderwerb)  von  621  WO  M.  errichtet  und  mit  allen
erforderlichen  Einrichtungen  ausgestattet,  insbesondere  solchen  zur
Untersuchung  von  Motoren,  namentlich  von  Wärmekraftmaschinen
einschließlich  Danipfkessel,  und  der  wichtigsten  in  betracht  kommenden
Arbeitsmaschinen,  ferner  zur  Ermittelung  und  Sicherstellung  der
wissenschaftlichen  Grundlagen  der  einschlägigen  I.chrgebiete,  zur  Ermittelung
  von  Erfahrungszahlen,  zu  Versuchen  auf  dem  Gebiete  der
Hydraulik,  über  Wärmetransmission  u.  a.

Von  der  inneren,  allen  Erfordernissen  eines  solchen  Instituts
entsprechenden  Einrichtung  scien  hier  nur  erwähnt:  eine  Hauptdampfmaschine,
  ein  Zwillingspumpwerk,  eine  Heißdampfmaschine,  ein
Laufkrahn,  viele  Versuchsapparate,  drei  Dampfkessel,  zwei  Gaskraftmaschinen,
  ein  Schwenkkrahn,  ein  Erdölmotor  usw.  Eine  Erweiterung
der  Anlage  und  Kinrichtungen,  um  die  Untersuchung  von  Turbinen
und  Wasserrädern  zu  ermöglichen,  ist  geplant,  denn  das  Laboratorium
soll  nicht  cin  auf  Jahrzehnte  hinaus  fertiges  Institut,  sondern  eine  in
fortgesetzter  Entwicklung  begriffene  Arbeitsstätte  für  Unterricht  und
Forschung  sein.

Auf  dem  Grundstück  neben  dem  Ingenicurlaboratorium  wird
gegenwärtig  (1904)  für  die  bisher  ebenfalls  im  Hauptgebäude  untergebracht
  gewesene  Matcrialprüfungsanstalt  cin  Neubau  erstellt,
wofür  250  000  M.  vorgesehen  sind.  Seit  ihrer  Gründung  ist  sie  dank
den  erfolgreichen  Bemühungen  ihres  Vorstandes,  Baudircktors  Dr.  ng.
v.  Bach,  in  ihrer  Ausstattung  mehrfach  erweitert  worden,  und  bis  zu
ihrer  Übersiedelung  in  den  Neubau  sollen  ihre  Einrichtungen  noch
weiter  vervollkommnet  und  ergänzt  werden.

Gleich  nach  Vollendung  des  Ingenicurlaboratoriums  wurde  in
den  Jahren  1900—19%01  längs  der  Keplerstraße  ein  zweiter  Flügel  an
das  Hauptgebäude  der  Hochschule  angebaut.  Dieser  mit  einem
Kostenaufwand  von  508000  M.  errichtete  Neubau  bildet  ein  Gegrenstück
  zu  dem  gegen  den  Stadtgarten  gelegenen  Flügel  und  dient  mit
seinen  auf  3  Stockwerke  verteilten  Zeichensälen  und  den  mit  diesen
durch  cinen  Aufzug  verbundenen,  im  Untergeschoß  liegenden
Sammlungsräumen  insbesondere  den  Zwecken  der  Maschineningenicur-Abteilung.
