VII.  Die  Großherzoglich  Badische  Technische  Hochschule
zu  Karlsruhe.

I.  Gründung  und  Entwicklung.

Karlsruhe  darf  bezüglich  der  technischen  Hochschule  in  einer
Hinsicht  und  zwar  in  Hinsicht  auf  die  chronologische  Reihenfolge,
denselben  Ruhm  für  sich  in  Anspruch  nehmen,  der  Heidelberg  bezüglich
  seiner  Universität  zukommt:  wie  diese  Stadt  die  Heimstätte
der  ältesten  Universität  auf  dem  Boden  des  heutigen  deutschen  Reiches,
so  ist  Karlsruhe  die  Heimstätte  der  ältesten  polytechnischen  Hochschule
  auf  deutschem  Reichsboden.

Nachdem  im  Jahre  1795  die  polytechnische  Schule  in  Paris  ins
I.cben  getreten  war,  die  ja  für  später  errichtete  derartige  Unterrichtsinstitute
  vielfach  vorbildlich  gewesen  ist,  folgten  der  Reihe  nach  die
Gründungen  der  polytechnischen  Schulen  in  Prag  (1803--5),  dann  in
Wien  (1815)  und  1825  in  Karlsruhe.

Durch  diesen  sozusagen  chronologischen  Rang  gewinnt  auch  die
hier  kurz  zu  skizzierende  Gründungsgeschichte  der  Karlsruher  Hochschule
  an  Bedeutung.  Aktenmäßig  datiert  der  erste  Plan  der  Gründung
einer  polytechnischen  Schule  in  Karlsruhe  aus  den  Jahre  1808,  einer
Zeit  tiefster  Erniedrigung  des  deutschen  Volkes  und  zweifellos  arger
Rückständigkeit  des  deutschen  \Wirtschaftslebens.  Die  cifrigsten  Vorkämpfer
  der  Idee  waren  der  Major  Tulla,  einer  der  bedeutendsten
Ingenicure  seiner  Zeit,  der  Pfadfinder  auf  dem  so  überaus  schwierigen
Gebiete  der  Rheinregulicrung  und  Oberbaudirektor  Weinbrenner,
beide  Leiter  von  technischen  Schulen;  der  erstere,  als  Vorstand  der
Oberdircktion  des  Wasser-  und  Straßenbaues  für  das  Großherzogtum
Baden,  leitete  die  mit  dieser  Behörde  verbundene  Ingenieurschule,
der  letztere  hatte  cine  private  Architekturschule  errichtet.  Beide
Schulen  sollten,  soweit  dies  der  Plan  erkennen  läßt,  die  Grundlage