26  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

für  die  zu  errichtende  L.ehranstalt  bilden.  Daß  das.P’rojekt  damals  nicht
zur  Ausführung  gelangte,  ist  vor  allem  darauf  zurückzuführen,  daß
man  in  den  maßgebenden  Regierungskreisen  der  Meinung  war,  daß
die  Industrie  durch  technische  Lehranstalten  nicht  gefördert  werde,
und  daß  man  diese  Anschauung  auch  mit  dem  Hinweis  auf  England,
welches  solche  öffentlichen  Schulen  nicht  besaß,  genügend  begründen
zu  können  glaubte.  Die  privaten  Werkstattschulen  großer  Unternehmungen
  Englands  (Boulton,  Wedgwood);  und  die  Schulen  Frankreichs
  hatte  das  das  Projekt  vor  allem  bekämpfende  Finanzministerium
freilich  überschen.

Erst  12  Jahre  später  tauchte  der  Plan  der  Errichtung  einer  polytechnischen
  Schule  wieder  auf,  und  zwar,  wie  neuestens  nachgewiesen
wurde,  in  einem  engen,  mindestens  durch  die  Person  eines  Mannes
gegebenen  Zusammenhange  mitder  handelspolitischenlIdee  desdeutschen
Zollvereins.

Die  Erkenntnis  der  Notwendigkeit  einer  Ausgestaltung  des  technischen
  Unterrichts  in  Deutschland  war  wohl  nirgends  so  kräftig  aufgekeimt
  als  in  den  Kreisen  Friedrich  Lists,  und  in  Baden  war  es  der
diesem  großen  Wirtschaftspolitiker  durchaus  kongeniale  Staatsrat  K.
F.  Nebenius,  dem  das  größte  Verdienst  an  der  Verwirklichung  der
auf  die  Schaffung  ciner  großen  akademischen  technischen  Unterrichtsanstalt
  gerichteten  Ideen  zukommt.  Listischer  Geist  spricht  aus
dem  Erlasse  des  Großherzogs  I  udwig  vom  7.  Oktober  1825,  auf
Grund  dessen  das  Polytechnikum  in  Karlsruhe  ins  Leben  trat.  Der
Grundgedanke  dieser  Schöpfung  fand  in  folgenden  Worten  Ausdruck:

„Neben  diesen  Anstalten  (Volks-  und  Gselehrtenschulen)  .  .  .  bleibt  Uns  noch  die
Sorge  für  die  Bildung  Unsres  lieben  und  getreuen  Bürgerstandes  und  überhaupt  eines
jeden,  der  sich  den  höheren  Gewerben  widmen,  dazu  die  nötigen  Vorkenntnisse,  vorzüglich
  aus  der  Mathematik  und  aus  den  Naturwissenschaften  sich  erwerben,  und  deren  unmittelbare,
  in  das  einzelne  gehende  Anwendung  auf  die  bürgerlichen  Beschäftigungen  des
Lebens  kennen  lernen  will  und  durch  den  mächtigen  Einfluß  dieser  Wissenschaften  auf
die  Vervollkommnung  der  Gewerbe,  den  Wir  unsrer  Zeit  verdanken,  in  dem  ausgebreiteten
Gebiete  der  Gewerbstätigkeit  mit  den  kleinsten  Mitteln  die  größten  Wirkungen
hervorzubringen  und  durch  die  Vorzüglichkeit  der  Erzeugisse  in  Form  und  Stoff  mit
dem  Auslande  zu  wetteifern“.

Die  erste  eben  im  Jahre  1825  geschaffene  Organisation  der  Anstalt
  entsprach  freilich  den  ursprünglichen  Ideen  und  den  führenden
Köpfen,  vor  allem  Nebenius  durchaus  nicht.  Mit  2  allgemeinen  Klassen
(Eintrittsalter  13  Jahre),  2  sogenannten  mathematischen  Klassen  (Eintrittsalter
  15  Jahre),  einer  Handels-  und  Gewerbeklasse  und  einer  Fachschule
  für  Baugewerbe  war  aber  auch  das  Ziel,  das  der  großherzogliche

  Erlaß  bezeichnet  hatte,  nicht  zu  erreichen.  Das  polytechnische