Die  Großherzoglich  Badische  technische  llochschule  zu  Karlsruhe.  267

Institut  war  damals  als  Vorbildungsanstalt  für  technische  Fächer  in
einem  ähnlichen  Sinne  gedacht  wie  es  die  damaligen  Lyzeen  für  Fakultäts-Studien
  waren.  Die  Mängel  der  Anstalt  zeigten  sich  rasch.
Was  hätte  bei  einem  Kostenanschlag  von  3800  fl.  pro  ahr  (!)  auch
erreicht  werden  sollen?

Ihre  eigentliche  akademische  Organisation  erhielt  sie  denn  auch
erst  durch  das  am  6.  September  1832  vom  Großherzog  L.eopold  bestätigte
  Statut.  Es  bedeutete  eine  völlige  Reorganisation  des  Institutes,
dessen  Durchführung  in  die  Hände  des  Ministerialdirektors  und  Staatsrates
  Nebenius  gelegt  war.  Dieser  Mann,  der  in  der  technischen
Hochschule  ein  unerläßliches  Mittel  zur  Kräftigung  und  Förderung
der  nationalen  Industrie  und  insofern  in  ihrer  Errichtung  die  Krönung
der  auf  den  Zollverein  gerichteten  Handelspolitik  erblickte,  hat  begreiflicherweise
  sein  Augenmerk  darauf  gelenkt,  die  bishin  ihrem
Wesen  nach  fachliche  Mittelschule  gebliebene  Anstalt  nach  oben  hin
auszugestalten.

Der  grundlegende,  insbesondere  mathematische  Unterricht  wurde
zwar  auch  in  dem  neuen  Studienplan  beibehalten,  aber  er  trat  nunmehr
  und  insbesondere  durch  Erweiterung  und  Vermehrung  des
höheren  speziellen  Fachunterrichtes  hinter  diesen  stark  zurück.  Den
größten  Wert  legte  Nebenius  auf  die  rechtzeitige  Spezialisierung  des
Unterrichtswesens,  und  zwar  sollte  schon  von  der  Volksschule  ab  die
Teilung  des  höheren  Unterrichts  erfolgen,  sodaß  sich  an  den  einen
(das  Gymnasium)  die  Universitätsstudien  an  den  anderen  (die  Realschule)
  die  technischen  Lehranstalten  anzuschließen  hatten.  Nur  das
Fehlen  von  Realschule  war  aber  bestimmend  für  die  Verbindung  der
Hochschule  mit  den  vorbildenden  unteren  Klassen.

Die  vollständige  Parallelisierung  des  für  die  gelehrten  und  des
für  praktische  Berufe  vorbereitenden  höheren  Studiums  war  damit
erreicht  und  von  ihr  erhoffte  sich  Nebenius  neben  anderen  Erfolgen
auch  eine  wertvolle,  das  ganze  nationale  Leben  beeinflussende  soziale
Wirkung:  daß  mit  dem  „Vorurteile  der  Gymnasiasten,  als  wären  sie
infolge  der  Richtung  ihrer  Gelehrsamkeit  etwas  Besseres“,  einmal  gebrochen
  werde  (Böthlingk).

Hinsichtlich  der  Lehrkräfte  allerdings  sollte  eine  gewisse  Gemeinschaftlichkeit
  zwischen  beiden  Unterrichts-Richtungen  bestehen.  Als
L.chrer  der  technischen  Hochschule  hielt  man  die  Männer  mit  Ge-Ichrten-Bildung
  im  engeren  Sinne,  also  mit  Universitätsbildung,  für  wohl
geeignet,  aber  freilich  hatte  man  im  Auge,  für  die  diesem  technischen
Lehrberufe  sich  widmenden  jungen]  .eute  nach  Absolvierung  ihrerStudien