368  Die  einzelnen  technischen  Hochschulen.

womöglich  durch  Reisestipendien  die  Möglichkeit  einer  gründlicheren
Orientierung  im  praktischen  industriellen  Leben  zu  schaffen;  es  sollte
ihnen  dadurch  Gelegenheit  greboten  werden,  die  technischen  Künste
und  industriellen  Werkstätten  in  fremden  Ländern  aus  eigener  Anschauung
  kennen  zu  lemen.  Auch  hierin  äußert  sich  unverkennbar
die  handelspolitische  Tendenz,  der  die  Ausgestaltung  des  technischen
Hochschulwesens  mit  zu  danken  ist.

Nach  diesen  Grundsätzen,  die  heute  noch  in  der  Organisation
des  technischen  Unterrichts  festgehalten  werden,  hat  Nebenius  die
Hochschule  in  Karlsruhe  1832  organisiert,  indem  er  die  Schule  gliederte:
einerseits  in  zwei  allgemeine  Klassen,  in  denen  vorzüglich  elementare
Mathematik,  Physik  und  Zeichnungslehre,  als  allgemeine  Grundlagen
der  technischen  Fachbildung,  Gegenstände  des  Unterrichts  wurden
und  andererseits  in  eine  Reihe  von  Fachschulen  und  zwar:  die  Ingenieurschule,
  Bauschule,  Forstschule,  höhere  Gewerbeschule  und
Handelsschule.  Für  Zöglinge,  die  zwar  den  allgemeinen  Schulunterricht
  genossen  hatten,  aber  die  Vorbildung  zum  Eintritt  in  die  polytechnische
  Schule  noch  nicht  besaßen,  bestand  dann  eben  in  Verbindung
  mit  dieser  die  Vorbereitungsschule  in  zwei  Abteilungen  und
eine  untere  Gewerbeschule.  Damit  war  zweifellos  in  der  Organisation
des  Unterrichts  der  Hochschulcharakter  damals  schon  erreicht.  Diesem
Charakter  entsprach  aber  auch  die  Organisation  der  Schulverwaltung,
insofern  die  Anstalt  als  selbständige  Körperschaft  mit  stark  autonomer
  Verwaltung  (u.a.  auch  Wahl  des  Direktors  durch  die  allgemeine
  Lehrerkonferenz)  vor  die  Öffentlichkeit  gestellt  wurde.

„Nebenius  erlebte  die  Genugtuung,  das  Institut  noch  über  sein
Erwarten  gedeihen  zu  schen  und  —  was  ihm,  dem  die  Pariser  Einrichtungen
  vorbildlich  gewesen  waren,  besonders  wohltat  —  selbst
von  den  Franzosen  als  mustergültig  rühmen  zu  hören.

Erst  die  sechziger  Jahre  des  19.  Jahrhunderts  brachten  eine
Änderung  in  der  Gestaltung  der  Anstalt:  1863  wurde  die  Vorbildungsschule
  und  die  erste  mathematische  Klasse  (seit  1853  bestanden  3  solche;
aufgehoben,  wodurch  sich  das  Eintrittsalter  in  die  polytechnische
Schule,  das  bisher  mit  13  und  14  Jahren  festgesetzt  war,  auf  das
17.  Lebensjahr  erhöhte.

1864  wurde  auch  die  Handelsschule,  der  1843  noch  eine  besondere
  Postschule  mit  zweijährigem  Kurse  mehr  oder  minder  angegliedert
  worden  war,  aufgehoben.

Eine  bedeutende  Erweiterung  hatte  die  Hochschule  in  ihrem
Lehrgebiete  schon  1847  durch  die  Teilung  der  höheren  Gewerbe-