Die  Großherzoglich  llessische  technische  Hochschule  zu  Darmstali.  279

Insbesondere  wurde  ihr  auch  die  Ausbildung  der  Real-  und  Gymnasiallehrer
  für  mathematische  und  naturwissenschaftliche  Fächer  überwiesen.


Ebenso  wurde  die  landwirtschaftliche  Abteilung,  deren
Besuch  stets  nur  ein  sehr  geringer  gewesen  war,  1873  beseitigt.

Eine  neue,  glänzende  Epoche  der  Hochschule  begann  jmit  der
1882  errichteten  Professur  für  Elektrotechnik  und  dem  Ende
des  gleichen  Jahres  eröffneten  elektrotechnischen  Institut,  dem
ersten  seiner  Art  auf  dem  europäischen  Kontinente.  Die  Elektrotechnik
  trennte  sich  vom  Maschinenbau,  eine  besondere  Abteilungr
bildend,  wodurch  die  Zahl  der  Fachklassen  wieder  auf  6  stieg.  Das
seit  20  Jahren  wachsende  Blühen  der  Hochschule  steht  in  einem  unverkennbaren
  Zusammenhänge  mit  der  glanzvollen  Entwicklung  dieser
neuen  Abteilung,  die  sich  bald  zu  einem  Zentrum  der  celcktrotechnischen
  Disziplin  weit  über  Deutschlands  Grenzen  hinaus  entwickelte.

Der  Besuch  der  Hochschule  war  bw  dahin  leider  ein  äußerst
mäßiger  gewesen  und  bis  zum  Jahre  1880/81  unter  Einwirkung  des
industriellen  Niedergangs  in  Deutschland  sogar  auf  ein  Minimum  von
165  Studierenden  gesunken,  ein  Rückgang,  an  dem  übrigens  damals
  in  ähnlicher  Weise  auch  die  anderen  deutschen  Hochschulen
teilnahmen.  Mehrere  Male  stand  sogar  die  Existenz  der  Hochschule
in  Frage.  Es  darf  nicht  vergessen  werden,  daß  die  Mittel  auch  der
Hochschule  im  Vergleich  zu  den  Schwesteranstalten  äußerst  bescheiden
geblieben  waren.  Für  Darmstadt  wirkte  noch  besonders  ungünstig,
daß  infolge  der  kurzen  Vergangenheit  der  Anstalt  als  Hochschule
jene  innigen  Beziehungen  mit  der  technisch  -  wirtschaftlichen  Welt
fehlten,  die  für  den  Nachwuchs  von  so  großer  Bedeutung  sind,  jene
Beziehungen,  die  vor  allem  durch  eine  große  Zahl  von  in  Amt  und
Stellung  sich  befindenden  ehemaligen  Schüler  gebildet  werden.  Die
Anziehungskraft  der  elektro-technischen  Abteilung  machte  dieser
Periode  des  Hangens  und  Bangens  ein  Ende.  Sie  kam  selbstverständlich
  auch  den  übrigen  Abteilungen,  insbesondere  auch  dem  Maschinenbau
  zugute,  sodaß  bald  auch  äußerlich  die  Spuren  einer  wenig
glücklichen,  von  Hemmungen  mannigfaltiger  Art  erfüllten  Jugendzeit
der  Anstalt  verwischt  wurden.  Schon  nach  wenigen  Jahren  konnte
die  Darmstädter  Hochschule  auch  der  Frequenz  nach  sich  den
bedeutendsten  Schwesteranstalten  Deutschlands  ebenbürtig  zur  Seite
stellen.

Nichts  charakterisiert  die  neuere  Entwicklung  der  Hochschule  in
allen  ihren  Teilen  besser,  als  die  Tatsache,  daß  bald  überall  die  ge-