280  Die  einzelnen  technischen  Flochschulen.

gewohnten  Unterrichts-  und  Arbeitsräume  zu  eng  wurden.  Hatte
man  sich  in  den  achtziger  Jahren  durch  Errichtung  von  Baracken,
Heranziehung  von  einzelnen  mietweise  oder  auch  von  der  Stadt  unentgeltlich
  überlassenen  Räumen  behelfen  können,  so  wurde  angesichts
der  unaufhaltsam  wachsenden  Besucherzahl  in  den  neunziger  Jahren
dieser  Ausweg  unzureichend.  Insbesondere  war  cs  das  elektrotechnische
Institut  und  das  zunächst  mit  demselben  zusammenhängende  physikalische
  Institut,  welche  einen  Neubau  dringend  erforderten.  Aber
auch  das  Hauptgebäude  der  Hochschule  am  Kapellplatz,  das  über
S0  Jahre  in  Benutzung  gewesen  war,  erwies  sich  mehr  und  mehr  als
unzureichend,  sodaß  mit  Beginn  der  neunziger  Jahre  zu  einer  vollständigen
  baulichen  Erneuerung  der  Hochschule  geschritten  wurde.

Neuc,  allen  modernen  Anforderungen  entsprechende  Bauten,
von  den  Professoren  der  Hochschule  Heinrich  Wagner  und  Erwin
Marx  entworfen  und  ausgeführt,  wurden  mit  einem  Gesamtkostenaufwande
  von  3,008,500  M.  errichtet.*)

Es  soll  hier  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  die  Stadt  Darmstadt,
welche  von  jeher  bedeutende  Opfer  für  die  Schule  in  allen  Phasen
ihrer  Entwicklung  gebracht  hat,  nicht  weniger  als  1,200,000  M.  zu
diesen  Kosten  beigesteuert  hat.  Schon  in  Januar  1895  konnte  das
elektrotechnisch-physikalische  Institut,  Ostern  1896  das  chemische
Institut  und  mit  Beginn  des  Wintersemesters  1895/96  das  Hauptgebäude
  mit  Maschinen-  und  Kesselhaus  seinen  Zwecken  übergeben
werden.  Die  Neubauten  waren  für  eine  Frequenz  von  600  bis  800
Studierenden  berechnet.  Der  nicht  vorhergesehenerweise  steigende
Besuch  der  Hochschule  hat  schon  jetzt  (1903)  wieder  bedeutende
Vergrößerungen  der  Bauten  nötig  gemacht.  Schon  seit  Jahresfrist
sind  umfangreiche  Erweiterungen  der  Institute  für  Elektrotechnik,
Physik  und  Chemie  mit  einem  Kostenaufwande  von  856,940  M.  in
Angriff  genommen.  Sie  werden  bereits  im  laufenden  Jahre  fertiggestellt.
  Dank  der  Opferwilligkeit  der  Landstände  und  der  Stadt  ıst
auch  für  die  Erweiterung  des  völlig  unzulänglich  gewordenen  Hauptgebäudes
  und  ebenso  der  Zentrale  für  Kraft,  Licht  und  \Wärme,
weiter  für  die  Errichtung  neuer  Ingenieur-  und  Maschinenlaboratorien
eine  sich  auf  2,205,995  M.  belaufende  Summe  schon  in  ihrer  ersten
Räte  bewilligt  worden.  Diese  umfangreichen,  von  Professor  Wickop

*)  Für  alles  Einzelne  bezüglich  dieser  Bauten  und  ihrer  Einrichtung  wird  verwiesen
auf:  „Die  neuen  Gebäude  der  Großherzoglichen  Technischen  Hochschule  zu  Darmstadt,
Festschrift  zur  feierlichen  Einweihung  der  Neubauten  am  28.  Oktober  1895.  Mit  21  Tafeln.
Darmstadt  1895.