IX.  Die  Herzogliche  technische  Hochschule  „Carolo-Wilhelmina“
  in  Braunschweig.

1.  Geschichtliche  Übersicht.

Die  Herzogliche  technische  Hochschule  zu  Braunschweig  in  ihrer
heutigen  Gestalt  ist  nach  einer  Reihe  tiefgreifender  Umwandlungen
aus  dem  „Collegium  Carolinum“  hervorgegangen,  welches  im
Jahre  1745  durch  den  Herzog  Carl  I.  nach  Plänen  des  Hofpredigers
Fr.  Wilh.  Jerusalem  gegründet  wurde.  Der  ursprüngliche  Zweck
der  Anstalt  war  einmal,  eine  Vermittlung  zu  schaffen  zwischen  den
damals  noch  wenig  entwickelten  Gymnasien  und  den  Universitäten,
andererseits  aber  solchen  Zöglingen,  welche  es  nicht  auf  ein  nachfolgendes
  „Fakultätsstudium‘  abgesehen  hatten,  die  sich  vielmehr
späterhin  der  „Einrichtung  gemeinnütziger  Anstalten“,  der  „Vermehrung
  des  Gewerbes“,  den  „mechanischen  Künsten“  usw.  zu
widmen  vorhatten,  hierzu  die  höhere  Ausbildung  zu  gewähren.*)

Wir  erblicken  in  den  letztgenannten  Lehrzielen,  welche  bereits
bei  der  Gründung  des  Collegium  Carolinum  maßgeblich  waren,  den
Keim,  aus  welchem  die  spätere  rein  technische  Lehranstalt  hervorwuchs.
  Indessen  war  die  erste  Blütezeit  der  Anstalt  wesentlich  durch
den  Ruhm  ihrer  humanistischen  Seite  begründet.  So  waren  unter
hren  I.chrern  besonders  weit  leuchtende  Namen  Friedr.  Wilh.
Zachariä,  Professor  der  deutschen  Literatur  und  Philosophie,  sowie
sein  Nachfolger  Johann  Joachim  Eschenburg.

Schon  zu  Ende  des  18.  Jahrhunderts  schwand  die  erste  Blütezeit
  des  Collegium  Carolinum  dahin.  Die  Napoleonischen  Wirren
schienen  sogar  der  ganzen  Anstalt  ein  Ende  setzen  zu  wollen.  In

*),  Man  vergleiche  wegen  der  ursprünglichen  Gründungspläne  Jerusalems  den
„Entwurf  einer  Geschichte  des  Collegii  Carolini  in  Braunschweig‘  von  J.  J.  E:schenburg,
Berlin  und  Stettin,  1812.