Die  Königlich  Preußische  Bergakademie  in  Berlin.  5

sarten  in  Berlin.  Mit  ihr  wurde  sodann  die  aus  etwa  30  000  Bänden
bestehende  Ministerial-Bergwerksbibliothek  verbunden.  An  ihre  Spitze
wurde  der  Bergrat  Heinrich  Lottner  berufen.  Neben  diesem  als
Direktor  wirkenden  Manne  war  cin  Kuratorium  cingesetzt,  welches
bei  den  organisatorischen  Einrichtungen,  der  Feststellung  des  Lchrplans,
  der  Anstellung  der  Dozenten  usw.  mitzuwirken  hatte.  Zunächst
war  die  Bergakademie  noch  als  Ergänzungsinstitut  der  nahc  gelegenen
Universität  gedacht.  Zugelassen  wurden:

1.  Die  sich  dem  preußischen  Staatsdienst  widnienden  Studierenden,
  nachdem  sie  die  praktische  Zeit,  damals  2  Jahre,  hinter  sich
und  Universitätsvorlesungen  über  gewisse  Gegenstände  gchört  hatten,

2.  Inländer  mit  dem  Reifezeugnis  eines  Gymnasiums  oder  einer
Realschule,  welche  ebenfalls  ein  Jahr  praktisch  gearbeitet  hatten,  und

3.  Ausländer  unter  der  Voraussetzung  des  Nachweises  einer
genügenden  theoretischen  und  praktischen  Vorbildung.

Die  neuc  Bergakademie  wurde  am  22.  Oktober  1860  mit
44  Studierenden  eröffnet.  Der  ursprüngliche  Lehrplan  umfaßte  die
folgenden  Gegenstände:  Bergbaukunde,  Salinenkunde,  Allgemeine
Hüttenkunde,  Eisenhüttenkunde,  Mechanik,  Maschinenlehre,  Markscheide-
  und  Mefskunst,  Zeichnen  und  Konstruieren,  Repetitorien  und
Kolloquien  über  Mineralogie  und  Gscognosie  und  über  mathematische
Disziplinen  und  Bergrecht;  ferner  Unterricht  im  Laboratorium  und
zwar  in  der  allgemeinen,  in  der  L.ötrohrprobierkunst  und  in  der
Mincralanalyse.

Unter  der  l.eitung  Lottners  erwarb  sich  die  Bergakademie  bald
allecmeinen  Ruf,  und  In-  und  Ausländer  strömten  herbei.  Leider
starb  L.ottner,  noch  nicht  38  Jahre  alt,  bereits  am  16.  März  1860.
Sein  Nachfolger  wurde  Wilhelm  Hauchecorne.

Hatte  schon  die  Geologie  und  die  Aufnahmearbeiten  der  Geologen,
  namentlich  in  den  deutschen  Gebirgen,  längst  eine  Anzahl
Gelehrter  der  Anstalt  beschäftigt,  so  wurde  nun  am  1.  Januar  1873
ein  planmäßiges  Untersuchungsinstitut  für  die  Bodenbeschaffenheit  des
preußischen  Staates,  die  Königliche  Geologische  Landesanstalt,
errichtet  und  mit  der  Bergakademie  durch  Statut  vom  8.  April  1875
unter  gemeinsamer  Verwaltung  und  Verfassung  verbunden.  Der  erste
Direktor  der  Bergakademie  war  gleichzeitig  Direktor  der  Geologischen
J.andesanstalt;  ihm  zur  Seite  stand  der  zweite  wissenschaftliche  Direktor
der  Landesanstalt,  Professor  Beyrich.

Da  die  „Alte  Börse“  schr  bald  mit  ihren  Räumlichkeiten  den
“Anforderungen  der  wissenschaftlichen  Ausbildung  nicht  mehr  genügte,