II.  Die  Königlich  Preußische  Bergakademie  zu  Clausthal.

l.  Gründung  und  Entwicklung.

Die  ersten  Anfänge  der  Clausthaler  Bergakademie  sind  auf  das
I.yceum  Clausthaliense  zurückzuführen.  Diese  „lateinische  Schule“,
gegründet  gegen  Ende  des  16.  Jahrhunderts,  trug  dem  Bedürfnis,
den  Berg-  und  Hüttenbeamten  des  Harzes  außer  der  praktischen  auch
eine  wissenschaftliche  Ausbildung  zu  geben,  dadurch  Rechnung,  dafs
auf  den  mathematischen  und  mechanischen  Unterricht  besonderer
Wert  gelegt  wurde.  Der  um  die  Geschichte  des  Harzer  Bergbaues
hochverdiente  Henning  Calvör,  welcher  1713—1729  als  I.ehrer  und
zuletzt  als  Rektor  am  I.yceum  Clausthaliense  tätig  war,  gab  zuerst
dem  Gedanken  Ausdruck,  daß  es  zweckmäßig  sei,  für  die  Berg-  und
Hüttenleute  eine  besondere  I.ehranstalt  „aufzurichten“.  Dies  wurde
im  Jahre  1775  zur  Ausführung  gebracht,  indem  vom  Lyzeum  ein
einjähriger  Kursus  für  24  Bergwerksbeflissene  völlig  abgezweigt  wurde.
Der  Unterricht  wurde  von  Lehrern  des  Lyzeums  in  ihren  Wohnungen
erteilt.  Im  Jahre  1810  wurden  von  der  Königlich  \Vestfälischen
Regierung  zu  Cassel  Vorschriften  über  die  Heranbildung  der  Bergeleven
  erlassen  und  die  Einrichtung  einer  „Bergschule“  in  Clausthal
angeordnet.  Diese  wurde  dann  im  Jahre  1811  in  einem  für  diesen
Zweck  angekauften  Gebäude  mit  56  Schülern  eröffnet  und  mit  eigenen
l.ehrmitteln  ausgestattet.  Der  Unterricht  teilte  sich  in  2  Klassen.
Die  Schüler  traten  zuerst  in  die  2.  Klasse  und  rückten  nach  2  Jahren
in  die  1.  Klasse  auf.  1821—1844  war  die  Bergschule  mit  einer  Forstschule
  verbunden,  welche  nach  Münden  verlegt,  von  1848  bis  1866
aufgehoben  und  dann  als  Forstakademie,  die  jetzt  noch  besteht,  wieder
aufgetan  wurde,  Eine  wesentliche  Änderung  in  der  Organisation  der
Bergschule  wurde  im  Jahre  1852  durch  ein  vom  Königl.  Finanzministerium
  zu  Hannover  über  die  Ausbildung  der  Bergbeamten