III.  Die  Königlich  Sächsische  Bergakademie  zu  Freiberg.

I.  Einleitung.

Die  ursprünglich  Kurfürstliche,  später  Königliche  Sächsische
Bergakademie  verdankt  ihre  Entstehung  der  Blüte  des  Freiberger
Silberbergbaues.  Dieser  alte  Bergbau  und  die  mit  ihm  verbundenen
Hüttenbetriebe  sind  nicht  nur  länger  als  sieben  Jahrhunderte  hindurch
eine  Quelle  des  Wohlstandes  und  Reichtums  für  Sachsen,  sondern
auch  die  Träger  bedeutender  technischer  Kulturfortschritte  gewesen
zu  einer  Zeit,  wo  die  Ingenieurwissenschaften  sich  noch  keineswegs
wie  heute  fast  aller  Gebiete  menschlicher  Tätigkeit  bemächtigt  hatten.
Der  Bergbau  und  die  Hüttenkunde  sind  sozusagen  Vater  und  Mutter
der  Technik;  denn  fast  alle  die  jetzt  hochentwickelten,  infolge  ihrer
unaufhaltsamen  Ausbreitung  bereits  zu  weltumspannender  Bedeutung
gelangten  technischen  Wissenschaften  weisen  mit  ihren  Anfängen
zurück  auf  die  praktischen  Erfahrungen  und  wissenschaftlichen  Erkenntnisse,
  die  zuerst  auf  montanistischem  Gebiete  errungen  wurden.

So  hat  auch  auf  dem  sächsischen  Boden  die  harte  und  gefahrvolle
  Arbeit  des  Berg-  und  Hüttenmannes  sich  nicht  begnügt,  materielle
Schätze  zu  heben;  sie  ist  in  geistiger  Beziehung  gewinnbringend  für
die  ganze  zivilisierte  Welt  geworden,  weil  sie  zur  Begründung  einer
Pflanz-  und  Pflegestätte  der  Naturforschung  und  technischen  Wissenschaft
  geführt  hat,  die  ihren  Weltruf  noch  heute  mit  Ehren  behauptet.

Während  nun  heute  der  ehemals  gering  geachtete  Stein-  und
Braunkohlenbergbau  Sachsens  sich  in  erfreulich  aufstrebender  Entwicklung
  befindet,  hat  der  Iirzbergbau  infolge  des  andauernden  Tiecfstandes
  des  Silberpreises  aufgchört  eine  Einnahmequelle  des  Staates  zu
bilden,  und  nur  aus  sozialpolitischen  Erwägungen  gewähren  die  staatlichen
  Körperschaften  die  Mittel  um  sein  Dasein,  so  lange  als  möglich  und
mit  den  sonstigen  Aufgaben  der  Volkswirtschaft  verträglich,  zu  fristen.