Die  Königlich  Sächsische  Bergakademie  zu  Freiberg.  21

Die  Bergakademie  aber  hat  deutlich  bewiesen,  daß  ihr  Gedeihen  unabhängig
  ist  von  der  Prosperität  der  montanistischen  Unternehmungen
ihrer  unmittelbaren  Umgebung,  denn  die  Zeit  des  Nicderganges  des
sächsischen  Metallbergbaues  ist  zugleich  die  des  höchsten  Aufschwunges
  der  Hochschule.  Aus  den  Bedürfnissen  einer  lokalen  Industrie
  erwachsen,  hat  die  Akademie  sich  zur  vaterländischen,  ja  zur
internationalen  Bedeutung  emporgearbeitet  und  da  sic  cs  stets  verstanden
  hat  mit  äußerst  bescheidenen  Mitteln  Tüchtiges  zu  leisten,  so
darf  nıan  der  Zuversicht  sein,  daß  die  Regierung  und  die  Volksvertretung
  es  gleichmäßig  stets  als  cine  Ehrenpflicht  des  Staates  betrachten
  werden,  die  Freiberger  Hochschule  auf  der  Höhe  ihrer  Wirksamkeit
  zu  erhalten  und  anzuerkennen,  daß  gerade  diese  Hochschule
wesentlich  dazu  beigetragen  hat,  den  vortrefflichen  Ruf  des  sächsischen
Unterrichtswesens  in  allen  Ländern  zu  verbreiten.

I.  Gründung  und  Entwicklung  der  Hochschule.

Ein  Besuch  des  Prinzen  Xaver,  Administrators  des  Kurfürstentunıs
  Sachsen,  in  Freiberg  führte  zur  Stiftung  der  Bergakademie
am  13.  November  1765,  nachdem  der  Generalbergkommissar  v.  Heynitz
  und  Oberberghauptmann  v.  Oppel  die  Begründung  einer
solchen  Lehranstalt  empfohlen  hatten,  um  dem  Bedürfnis  einer  geordneten
  wissenschaftlichen  Ausbildung  der  Berg-  und  Hüttenbeamten
zu  entsprechen.  Schon  vorher,  seit  dem  Anfange  des  18.  Jahrhunderts,
wurde  in  Freiberg  angehenden  Berg-  und  Hüttenleuten  Unterricht
in  verschiedenen  Fertigkeiten  und  Wissenschaften  geboten,  die  man
an  den  hohen  Schulen  sonst  nirgends  erlernen  konnte.  Diese  Unterweisungen
  bezogen  sich  auf  Probierkunde  und  Markscheidekunst,
späterhin,  etwa  seit  1750,  auf  metallurgische  Chemie  und  Mineralogie.
Namentlich  wirkte  als  T.ehrer  der  berühniteste  Metallurg  jener  Zeit,
Gellert,  dessen  Privatkollegien  die  Lernbegierigen,  darunter  namhafte
Gelehrte,  aus  aller  Welt  herbeizogen.  Die  Tatsache,  daß  nicht  nur
L.andeskinder,  sondern  auch  zahlreiche  Fremde  in  Freiberg  Ausbildung
in  den  Bergwissenschaften  zu  erlangen  suchten,  hat  sicher  dazu  beigetragen,
  den  Plan  der  Krrichtung  einer  montanistischen  höheren
I.ehranstalt  entstehen  zu  lassen.

Die  neubegründete  Bergakademie  wurde  zu  Ostern  1766  eröffnet.
  :  Die  Unterrichtsform  war  von  Anfang  an  die  akademische;
  man  berücksichtigte  aber  —  und  dies  muß  als  ein  großer
Fortschritt  bezeichnet  werden  —  neben  der  theoretischen  Geistes-