40  Die  Forstakademien.

Leonhardt  (Rechtskunde),  Dr.  Lehr,  Privatdozent  für  Volkswirtschafts-Ichre.


Als  Studierende  ließen  sich  44  Forstbeflissene  einschreiben.

Unmittelbar  nachdem  die  Entscheidung  für  Münden  gefallen  war,
wurde  ein  Kostenüberschlag  über  einen  Neubau  für  die  Forstakademic
von  den  zuständigen  Baubehörden  eingefordert.  Als  Bauplatz  bestimmte
  man  ein  dem  Staate  gehöriges  Gartengelände  von  1,36  ha
Größe.  Es  lag  dicht  am  Schlosse  an  der  Werra.  Dort  ist  denn  auch
der  Bau  zur  Ausführung  gelangt,  1872  konnte  er  bezogen  werden.
Hinter  der  Forstakademie  wurde  ein  botanischer  Garten  angclegt,  zu
dessen  Pflege  der  Förster  Zabel  als  Gartenmeister  berufen  wurde.
Später  erwies  sich  der  Garten  als  zu  klein  und  es  wurde  ein  zweiter
Garten  von  5,34  ha  Größe,  der  ursprünglich  zum  Pflanzenerziehungsgarten
  bestimmt  war,  zur  Erweiterung  des  botanischen  Gartens  benutzt.
In  diesem  Garten  wurde  für  den  Gartenmeister  ein  eigenes  Haus  crbaut.
  Für  den  Unterrricht  in  der  Chemie  wurde  von  der  Stadt
zunächst  ein  Laboratorium  in  einem  dicht  am  Mündener  Rathause
liegenden  Gebäude  errichtet.  Später  wurde  nach  Plänen  und  Wünschen
des  Professor  Dr.  Mitscherlich  in  Verbindung  mit  einer  ihm  überwiesenen
  Dienstwohnung  vom  Staate  cin  Laboratorium  gebaut.  In
diesen  hat  Professor  Dr.  Mitscherlich  die  Methoden  erforscht,  die  der
Fabrikation  der  Sulfitcellulose  ihre  Ausbreitung  geben  sollte.

Der  vorher  erwähnte  Neubau  im  Garten  an  der  Werra  erwies
sich  bald  als  zu  klein  und  es  wurde  deshalb  der  Forstakademie  ein
Flügel  des  alten  Schlosses  eingeräumt  und  zweckentsprechend  ausgebaut.
  Der  überwiesene  Raum  ist  so  bedeutend,  daß  auch  noch
weitergehenden  Ansprüchen  mit  Aufwand  geringer  Kosten  genügt
werden  könnte.

Das  Lehrerkollegium  erhielt  im  Jahre  1870  die  erste  Erweiterung,
indem  cin  Dozent  für  Waldwegebau  berufen  wurde.

1872  trat  der  Oberförster  Professor  Dr.  Borggreve  in  die  Praxis
zurück  und  cs  wurde  dessen  Professur  geteilt  in  eine  solche  für  Botanik
und  eine  solche  für  Zoologie.

Die  Stellung  des  Direktors  erwies  sich  sodann  als  zu  sehr  bclastet
  und  es  wurde  gestattet,  daß  Vorträge  an  den  Assistenten  und
einen  Privatdozenten  abgegeben  wurden;  später  sind  mehr  forstliche
Dozenten  angestellt.

Das  Jahr  1878  wurde  für  die  Forstakademie  wichtig  dadurch,
daß  der  bisherige  Direktor  Geh.  Reg.-Rat  Prof.  Dr.  Heyer  cincm
Rufe  an  die  Universität  München  folgte.