Die  Königlich  Preußische  Forstakademie  Eberswalde.  51

Schließung  der  Forstakademic,  deren  Wiedereröffnung  erst  am
I.  Mai  1871  stattfand.

Bedeutsame  Veränderungen  in  den  Einrichtungen  der  Forstakademie
  traten  im  Jahre  1871  durch  die  organische  Verbindung  des
forstlichen  Versuchswesens  mit  der  Forstakademie  cin.  Als  im
September  1872  die  forstlichen  Versuchsanstalten  des  Deutschen
Reiches  zu  einem  Vereine  zusammentraten,  wurde  der  preußischen
Versuchsanstalt  zu  Eberswalde  die  Geschäftsleitung  des  Vereins  übertragen.
  Fs  wurden  fünf  Abteilungen  des  forstlichen  Versuchswesens
unter  der  L.eitung  des  Akademicdircktors  gebildet:  die  forsttechnische,
chemisch-physikalische,  meteorologische,  pflanzen-physiologische  und
zoologische  Abteilung.  Im  Jahre  1873  wurde  die  Studienzeit  an  der
Akademie  von  4  auf  5  Semester  erweitert,  die  forstliche  Lehrzeit
wurde  auf  7  Monate  beschränkt,  hinzu  trat  dagegen  eine  fünfmonatliche
  Beschäftigungr  bei  einenı  vereidigten  Feldmesser.  An  Prüfungen
waren  abzulegen:  das  Tentamen,  das  Feldmesserexamen  und  das
Staatsexamen;  dem  letzteren  mußte  eine  mindestens  zweijährige
praktische  Ausbildung  im  Forstwirtschaftsbetriebe  und  in  der  Verwaltung
  vorangehen.  Das  Studium  der  Rechts-  und  Staatswissenschaften
  auf  einer  Universität  wurde  empfohlen;  cs  berechtigte  dieses
nach  einjähriger  Beschäftigung  bei  einer  Regierung  zur  Ablegung
einer  besonderen  Prüfung  in  den  Staatswissenschaften.

Bei  den  melır  und  mehr  erweiterten  Aufgaben  der  Akademie
wurde  der  Bau  cines  entsprechenden  Akadcmiegebäudes  unabweisbares
  Bedürfnis.  Der  Neubau  wurde  unter  dem  Kuratorium  des
Oberlandforstmeisters  von  Hagen  im  Herbst  1873  begonnen  und  im
Sommer  1876  beendet.  An  die  Stelle  Schneiders  trat  am  1.Oktober  1873
Professor  Dr.  Müttrich  für  Mathematik,  Physik  und  Meteorologie.

Am  1.  Mai  1874  übernahm  der  Oberförsterkandidat  Runnebaum
  den  Unterricht  über  Geodäsie  und  Waldwegebau.

In  den  Jahren  1877  und  1878  wurde  eine  Fischzuchtanstalt  für
Karpfen-  und  Forellenzucht  angelegt.

Am  1.  Oktober  1878  folgte  Hartig  einem  Ruf  als  Professor  der
Botanik  an  die  Universität  München,  mit  welcher  der  forstliche  Unterricht
  für  Bayern  verbunden  worden  war,  der  im  Jahre  1871  zur
Leitung  der  forsttechnischen  Versuchsabteilung  nach  Eberswalde  berufene
  Oberförster  Bernhardt  einem  Ruf  als  Forstakademiedircktor
nach  Ilannöv.  Münden,  nachden  die  dortige  Lorstakademie  ihren
Direktor  Dr.  Gustav  Heyer  verloren  hatte,  welcher  ebenfalls  einem

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