66  Die  Forstakademien.

Forstwissenschaft  und  den  Wald  durch  forstenzyklopädische  Vorlcsungen
  und  zahlreiche  Exkursionen  zugewiesen  ist.  Nach  deren
Absolvierung  (durch  Prüfung)  bezieht  der  Studierende  für  2  weitere
Jahre  die  Universität  München  als  Angehöriger  der  staatswirtschaftlichen
  Fakultät,  um  dort  Forstwissenschaft  in  vollem  Umfang  nebst
juristischen  und  kameralistischen  Fächern  —  Rechtsenzyklopädie,
Nationalökonomie  und  Finanzwissenschaft  —  zu  hören.  Nach  erstandener
  Schlußprüfung  tritt  er  als  Forstpraktikant  in  den  Staatsdienst
ein,  um  sich  in  den  drei  nächsten  Jahren  nach  jeder  Richtung  hin
praktisch  auszubilden;  zwei  Jahre  hiervon  werden  im  äußeren  Dienst,
ein  Jahr  an  der  Forstabteilung  einer  Kreisregierung  zugebracht.  Das
Staatsexamen  bildet  den  Abschluß  der  Vorbereitung,  dessen  erfolgreiche
  Ablegung  die  Bedingung  für  die  Anstellung  im  Staatsforstdienst.

I.  Gründung  und  Entwicklung  der  Hochschule.

Im  Jahre  1807  traten  in  der  Stadt  Aschaffenburg  eine  Anzahl
im  Öffentlichen  Lehramt  —  am  Gymnasium  und  Lyzeum  —  stehender
Männer  zusammen  und  entwarfen  den  Plan  zu  einem  zu  gründenden
Forstinstitut.  Der  damalige  Regent  des  Kurfürstentumes  Mainz,  zu
welchem  in  jener  Zeit  Aschaffenburg  gehörte,  Fürstprimas  von
Dalberg,  nahm  den  Plan  wohlgefällig  auf,  sicherte  demselben  seine
Unterstützung  und  eventuell  Erhebung  des  Instituts  zur  Staatsanstalt
zu  und  leistete  auch  finanzielle  Beihilfe,  während  die  Stadt  ein  passendes
Lokal  einräumte.  So  trat  denn  noch  in  jenem  Jahr  das  Institut  ins
Teben,  und  rasch  sammelte  sich  eine  größere  Anzahl  von  Schülern,
die  nach  dem  Unterrichtsplan  in  einem  Jahre  ihre  Ausbildung  erlangen
  sollten.

Im  Jahre  1814  ging  Aschaffenburg  an  die  Krone  Bayerns  über,
und  König  Max  I.  interessierte  sich  lebhaft  für  das  Forstinstitut;  auch
die  Stadt  bot  alles  auf,  um  sich  dasselbe  zu  erhalten,  und  im  Jahre  1819
erfolgte  denn  auch  dessen  Erhebung  zur  Königlich  Bayerischen
National-Forstlehranstalt.  Die  Anstalt  wurde  mit  den  nötigen
Lehrkräften  ausgestattet  und  zunächst  auf  2  und  später  auf  3  Kurse
erweitert.  Rasch  füllten  sich  die  Hörsäle,  aber  doch  wollte  die  Anstalt
  nicht  nach  Wunsch  gedeihen;  die  Schuld  mochte  teilweise  an
den  Lehrkräften,  teils  an  der  mangelhaften  und  ungleichmäßigen  Vorbildung
  der  Studierenden  liegen  —  auch  die  politische  Gährung  zu
Ende  der  20er  und  Anfang  der  30er  Jahre,  geheimes  Verbindungswesen
  unter  den  Studierenden  u.  a.  trug  wohl  dazu  bei:  so  folgte  im