Die  Königlich  Bayerische  Forstliche  Hochschule  Aschaffenburg.  69

weiterem  haben  die  Studierenden  ihre  mathematischen  Kenntnisse  zu
erweitern  und  zu  vertiefen  und  sich  mit  den  Lehren  der  Geodäsic
vertraut  zu  machen.

Dieselben  sollen  ferner  durch  einen  Vortrag  über  Forstenzyklopädie
  unter  besonderer  Betonung  des  Waldbaues,  wie  durch  zahlreiche
  Exkursionen  in  den  Wald  eingeführt  werden,  es  soll  ihr
Interesse  für  denselben  belebt,  das  Verständnis  für  die  forstlichen
Vorlesungen  erleichtert  werden,  Ziele,  welche  die  bisherige  Vorlehre
erstrebt,  aber  nur  unvollkommen  erreicht  hatte.  -—  Forstliche  Baukunde,
  Jagdkunde,  forstliches  Zeichnen  sind  weitere  von  ihnen  zu
hörende  Fächer.

Als  Lehrkräfte  sind  der  Anstalt  zugewiesen  6  im  Range  der
Universitäts-Professoren  stehende  Professoren,  nämlich  je  1  für  Forstwissenschaft
  (zugleich  als  Dircktor  fungierend),  für  Mathematik,  Physik,
Chemie  mit  Mineralogie,  Botanik,  Zoologie,  dann  2  weitere  forstliche
Dozenten,  deren  einer  zugleich  Forstamtsvorstand  in  Aschaffenburg,
der  andere  (jüngere)  Assistent  des  Direktors  ist.  Auch  den  Professoren
der  Chemie  und  Physik  sind  Assistenten  zugeteilt.

An  Lehrmitteln  und  Attributen  besitzt  die  Forstliche  Hochschule
  gut  ausgestattete  Sammlungen  für  alle  obigen  Disziplinen,  cin
chemisches  und  physikalisches  Laboratorium,  eine  reiche  Auswahl  der
für  Geodäsie  und  Waldwegebau  nötigen  Instrumente;  eine  ziemlich
umfangreiche  Bibliothek  dient  den  Professoren  wie  den  Studierenden.
An  das  stattliche  Anstaltsgebäude,  das  im  Jahr  1889  eine  wesentliche
Vergrößerung  erfuhr,  schließt  sich  der  botanische  Garten,  in  der  Nähe
der  Stadt  liegen  2  Forstgärten.  In  reichem  Maße  dient  auch  die
waldreiche  Umgebung  Aschaffenburgs  dem  forstlichen  und  naturwissenschaftlichen
  Unterricht,  und  erstrecken  sich  die  Exkursionen
auch  in  entferntere  interessante  Waldgebiete.

III.  Die  Studierenden.

Die  Studierenden  scheiden  sich  in  2  Gruppen:  Ordentliche
llörer  oder  Aspiranten  des  bayerischen  Staatsforstdienstes,  alle  mit
voller  Maturität,  und  außerordentliche  Hörer  oder  Hospitanten,  welche
eine  geringere,  aber  zum  Verständnis  der  Vorlesungen  noch  ausreichende
  Vorbildung  besitzen  und  sich  für  Privatforstdienst  —  für
welchen  in  Deutschland  keine  forstliche  ‚Mittelschule‘,  ähnlich  den
österreichischen,  besteht  —  auszubilden  wünschen.  Für  sie  werden