I.  Die  landwirtschaftliche  Hochschule  zu  Berlin.

I.  Gründung  und  Entwicklung.

Die  ersten  Anfänge  eines  landwirtschaftlichen  Hochschulunterrichts
in  der  Provinz  Brandenburg  gehen  weit  zurück.  Sie  datieren  von
der  Errichtung  einer  landwirtschaftlichen  Professur  im  Jahre  1727  an
der  damaligen  Universität  Frankfurt  a.  Oder.

Der  vor  etwa  100  Jahren  nach  Preußen  übersiedelnde  ehemalige
Leibmedikus  des  Kurfürsten  von  Hannover,  Albrecht  Thaer,  begründete
  im  Jahre  1806  das  erste  deutsche  landwirtschaftliche  Lehrinstitut,
  die  „Königliche  Akademische  Lehranstalt  des  Ackerbaus‘  zu
Möglin  (50  Kilometer  östlich  von  Berlin  gelegen)  und  wurde  1810
zugleich  zum  Professor  an  der  neu  begründeten  Universität  Berlin
ernannt,  von  welcher  Stellung  er  erst  1819  zurücktrat.  Die  Professur
war  später  teilweise  wieder  besetzt  und  die  Berliner  Universität  wurde
mehrfach  von  Landwirten  auch  für  naturwissenschaftliche  und  staatswissenschaftliche
  Studien  benutzt.

Der  landwirtschaftliche  Zentralverein  für  den  Regierungsbezirk
Potsdam  stellte  1847  den  Antrag  auf  Errichtung  einer  besonderen
höheren  landwirtschaftlichen  Lehranstalt  in  Berlin  und  das  Landesökonomiekollegium
  unterstützte  diese  Anregung  im  Anfange  der
fünfziger  Jahre  wiederholt  durch  Eingaben  beim  landwirtschaftlichen
Ministerium.  Unter  Mitwirkung  des  Privatdozenten  für  Landwirtschaft
an  der  Universität  Dr.  Schulz-Fleeth  wurde  1859  das  landwirtschaftliche
  Institut  in  Berlin  in  Beziehung  zur  Universität  auf  der
einfachsten  Grundlage  eröffnet,  während  etwa  gleichzeitig  die  auf  dem
Lande  liegende  Hochschule  zu  Möglin  geschlossen  wurde.  Der  Enkel
des  Staatsrats  Albrecht  Thaer  habilitierte  sich  an  der  Universität  und
hielt  an  derselben  seine  landwirtschaftlichen  Vorlesungen.  Das  landwirtschaftliche
  Lehrinstitut  erhielt  1862  ein  provisorisches  Statut  und