Die  landwirtschaftliche  Hochschule  zu  Berlin.  79

ward  materiell  selbständig.  In  dem  Statut  wird  ausgesprochen,  daß
die  für  das  Studium  der  Landwirtschaft  nötigen  Vorlesungen  größtenteils
  an  der  Friedrich-Wilhelms-Universität  gehalten  werden  (ergänzende
Vorlesungen  und  Übungen  von  besonders  dazu  angestellten  Lehrern
außerhalb  der  Universität)  und  daß  sich  die  Studierenden  deshalb  an
der  Universität  immatrikulieren  lassen  müssen.  Erst  im  Jahre  1866
wurde  die  Inskription  im  Zentralbureau  des  Ministeriums  für  Landwirtschaft
  vorgenommen.  Ein  rechter  organischer  Zusammenhang
war  hierdurch  indessen  nicht  erzielt  worden.  Bei  ungenügenden
Mitteln  bedurfte  das  Ganze  dringend  einer  Reformierung  aus  diesen
mehr  provisorischen  Verhältnissen.

Die  im  Abgeordnetenhause  im  Jahre  1866  angenommene
Resolution  Fühling  u.  G.,  die  K.  Staatsregierung  aufzufordern,  dem
in  Anknüpfung  an  die  Berliner  Universität  gegründeten  landwirtschaftlichen
  Lehrinstitut  zu  Berlin  eine  dem  Lehrzweck  entsprechende
und  der  Universität  würdige  Organisation  zu  geben,  gab  diesen  Auffassungen
  bestimmten  Ausdruck.

Der  Schreiber  dieser  Zeilen,  im  Jahre  1871  an  Thaers  Stelle  an
die  Universität  und  an  das  landwirtschaftliche  Lehrinstitut  berufen,
führte  in  einer  im  Jahre  1873  als  Manuskript  gedruckten  und  in
Abgeordnetenkreisen  stark  verbreiteten  Denkschrift  die  Notwendigkeit
einer  gründlichen  Änderung  der  Verhältnisse  eingehend  aus.

Die  Idee  zur  Begründung  eines  landwirtschaftlichen  Museums
datiert  aus  dem  Anfange  der  sechziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts
  und  erhielt  praktische  Gestaltung  durch  erhebliche  Ankäufe
und  große  Geschenke  aus  den  Beständen  der  aus  landwirtschaftlichen
Kreisen  stark  beschickten  internationalen  Weltausstellung  zu  Paris
von  1867.  Diese  von  vornherein  ziemlich  erheblichen  Sammlungen
wurden  zunächst  und  längere  Zeit  in  gemicteten  Räumen  untergebracht.
  In  Ludwig  Wittmack  war  diesem  Museum  von  vomherein
  eine  Kraft  als  Kustos  vorgesetzt,  welche  sich  der  Ordnung
dieses  vielfach  heterogenen  Materials  mit  großer  Liebe  angenommen
und  um  die  Sammlungen  sich  große  Verdienste  erworben  hat,  bis  sie
später  bei  reicherer  Ausstattung  besondern  Institutsvorstehern  überwiesen
  und  noch  reicher  gestaltet  werden  konnten.

Um  die  Vorlage  und  spätere  Gestaltung  der  den  gesetzgebenden
Körperschaften  unterbreiteten  Pläne  haben  sich  besondere  Verdienste
erworben  der  Minister  für  Landwirtschaft  Dr.  Friedenthal  und  die
Kuratoren  Geh.  Oberregierungsrat  Dr.  von  Nathusius  und  Ministerial-