80  Landwirtschaftliche  Hochschulen.

direktor  Dr.  Thiel.  Das  4,5  ha  große  ehemalige  Eisengießerei-Grundstück
  an  der  Invalidenstraße  wurde  dazu  bestimmt,  die  Gebäude
für  die  landwirtschaftlichen  Unterrichtszwecke  und  zugleich  diejenigen
für  die  naturwissenschaftlichen  Universitäts-Sammlungen  und  für  Bergakademie
  und  geologische  Landesanstalt  aufzunehmen.  Das  Abgeordnetenhaus
  bewilligte  für.  landwirtschaftliches  Museum  inklusive  Maschinenhalle
  und  für  landwirtschaftliches  Lehrinstitut  im  Jahre  1874  die  erste
Rate  und  in  den  folgenden  Jahren  die  Gesamtsumme  für  Bau  und
Einrichtung  bis  zum  Betrage  von  2527000  M.  Der  Bau  begann  im
Jahre  1876  unter  der  Leitung  von  Baurat  Tiede  und  wurde  im
Jahre  1880  u.  fl.  bezogen.  Im  genannten  Jahre  wurden  die  Halle
und  die  Museumsräume  zunächst  von  der  großen  internationalen  Ausstellung
  für  Fischerei  mit  benutzt.  Im  Jahre  1880  vollzog  sich  eine
neue  Organisation  durch  unmittelbare  Verbindung  von  Museum  und
Lehrinstitut  und  Überweisung  der  Muscumsgegenstände  an  die  verschiedenen
  bezüglichen  wissenschaftlichen  Institute  der  Gesamtanstalt,
welcher  durch  allerhöchste  Order  vom  14.  Februar  1881  der  Namen:
Landwirtschaftliche  Hochschule  erteilt  wurde.

In  die  Zeit  der  Entwicklung  des  chemaligen  zur  Universität  in
Beziehung  stehenden  landwirtschaftlichen  Lehrinstituts  zur  selbständigen
Hochschule  fällt  der  lebhafte  Meinungsaustausch  und  Streit  darüber,
ob  die  isolierte  landwirtschaftliche  Akademie  bestehen  bleiben  oder  ob
der  landwirtschaftliche  Unterricht  zu  den  höchsten  Bildungsanstalten
des  Landes  in  unmittelbare  Bezichung  gesetzt  werden  sollte,  ob  die
Anlehnung  an  eine  größere  Gutswirtschaft  zweckmäßig  sei  oder  ob
von  derartigen  praktischen  Hilfsmitteln  ganz  abgesehen  werden  könne.
Die  von  J.  von  Liebig  ausgegangenen  scharfen  Angriffe  gegen  die
isolierten  Akademien  hatten  darauf  besonderen  Einfluß  gehabt.  Von
vielen  wurde  es  so  aufgefaßt,  daß  es  nur  notwendig  sei,  an  den  Universitäten
  landwirtschaftliche  Lehrstühle  zu  errichten,  was  viel  weniger
materielle  Mittel  in  Anspruch  nahm.

Der  geringe  praktische  Erfolg  mancher  landwirtschaftlicher  Universitätsinstitute
  hat  diese  Auffassung  indessen  als  irrig  erwiesen.  Die
an  größere  Gutswirtschaften  angelehnten  landwirtschaftlichen  Akademien
  hatten  darin  immerhin  ein  wichtiges  Versuchs-  und  Demonstrationsmaterial
  gehabt,  und  es  war  ein  Fehler,  dies  den  Universitätsinstituten
  ganz  vorenthalten  zu  wollen.  Nach  dem  Vorgange  des
Universitätsinstituts  zu  Halle  a/S.,  mit  welchem  ein  großer  praktischer
Apparat  von  Versuchsfeldern  und  Versuchswirtschaft,  Tiergarten  und
Viehstall  u.  a.  verknüpft  wurde,  hat  man  diesen  Standpunkt  der