82  Landwirtschaftliche  Hochschulen.

Die  Studierenden  der  Landwirtschaft  werden  unter  den  Bedingungen
  der  Universität  und  unter  Benutzung  des  landwirtschaftlichen
  Fachs  als  Hauptfach  zur  Erwerbung  des  Doktorgrades  in  der
philosophischen  Fakultät  zugelassen,  wobei  die  an  der  landwirtschaftlichen
  Hochschule  verbrachten  Semester  auf  das  akademische  Triennium
angerechnet  werden  können.

Durch  innige  Verbindung  mit  dem  landwirtschaftlichen  Museum
sowie  dadurch,  daß  die  Teile  desselben  den  einzelnen  Abteilungsvorständen
  der  landwirtschaftlichen  Hochschule  unterstellt  wurden,
erhielt  der  Unterricht  ein  vorzügliches  Demonstrationsmaterial,  wie
es  in  diesem  Umfange  kein  anderes  deutsches  landwirtschaftliches
Lehrinstitut  besitzt.  Und  indem  das  landwirtschaftliche  Museum  durch
die  eingehendste  fachmännische  Förderung  seiner  Abteilungen  und
mit  Hilfe  der  vom  Ressortminister  zur  Verfügung  gestellten  erheblichen
  Geldmittel  und  mancher  dankenswerter  Schenkungen  —  ich
erinnere  an  den  Erwerb  der  wichtigen  anatomisch-zootechnischen
Sammlungen  von  Hermann  von  Nathusius  sowie  der  mineralogischgeologischen,
  zoologischen,  zootechnischen  und  physikalischen  Sammlungen
  von  Proskau  und  der  zoologischen  Sammlungen  von  Eldena  —
zu  der  wahrscheinlich  jetzt  umfangreichsten  landwirtschaftlichen  Fachsammlung,
  die  existiert,  erwachsen  ist,  so  kommt  es  naturgemäß  den
J.ehrzwecken  und  dem  Anschauungsunterricht  in  hohem  Grade  zugute.
Diese  Aufgaben  werden  durch  die  unmittelbar  angrenzenden  großen
naturhistorischen  Sammlungen  der  Universität  und  Bergakademie  noch
besonders  unterstützt.  Es  ist  der  Wunsch  des  Lehrkörpers,  daß  die
Unterstützung  dieser  Aufgaben  durch  praktische  Versuchstätigkeit  und
Versuchswirtschaft  noch  cine  vielseitigere  werde,

Zwei  neue  Glashäuser  für  Vegetations-  und  bakteriologische
Versuche  wurden  nachfolgend  auf  dem  Versuchsfelde  an  der  Seestraße
  errichtet  und  neue  Versuchsflächen  auf  dem  Gelände  der
Domäne  Dahlem  bei  Berlin  hinzugefügt.

Nach  der  Überführung  zur  landwirtschaftlichen  Hochschule
(14.  Februar  1881)  gab  es  bald  eine  Erweiterung  der  Aufgaben,  indem
an  der  Anstalt  für  die  Ausbildung  der  Landmesser  und  Kulturtechniker
eine  geodätisch-kulturtechnische  Abteilung  geschaffen  wurde
(1883).

Entsprechend  der  großen  Bedeutung  der  landwirtschaftlichtechnischen
  Gewerbe  für  die  Landwirtschaft  traten  ferner  zur  Hochschule
  die  großen  Experimental-  und  Kontrollanstalten  für  Gärungsgewerbe
  (Spiritusfabrikation  und  Bierbrauerci)  und  Stärkefabri-