94  Landwirtschaftliche  Hochschulen.

Seit  2  Jahren  ist  noch  eine  Prüfung  für  Tierzuchtinspektoren
  eingeführt.  Sie  kann  von  solchen  abgelegt  werden,  die  eine
der  beiden  vorgenannten  Prüfungen  mit  Erfolg  bestanden  haben.  Sie
ist  lediglich  eine  mündliche  und  erstreckt  sich  auf:  Anatomie  und
Physiologie  der  Haussäugetiere;  allgemeine  und  besondere
Tierzuchtlehre;  Einrichtung  von  Heerdbüchern,  Zuchtvereinigungen,
  ÄAusstellungs-  und  Prämiierungswesen;  ansteckende
  Krankheiten  und  Geburtshilfe;  volkswirtschaftliche
  Aufgaben  der  Tierzucht.

Ferner  besteht  in  der  Akademie  eine  aus  Lehrern  derselben  zusammengesetzte
  Königliche  Prüfungskommission  für  Landmesser.
  Bei  dieser  oder  bei  der  gleichartigen  Kommission  an  der
Berliner  landwirtschaftlichen  Hochschule  müssen  alle  diejenigen  die
Prüfung  ablegen,  welche  das  Patent  als  staatlich  anerkannte  Landmesser
  in  Preußen  sich  erwerben  wollen.  Landmesser,  die  eine  Anstellung
  bei  einer  Generalkommission  suchen,  müssen  außerdem  der
erweiterten  kulturtechnischen  Prüfung  sich  unterziehen,  für
welche  an  der  Akademie  noch  eine  besondere  Prüfungskommission
besteht.

Vorsitzender  aller  5  Prüfungskommissionen  und  zugleich  Examinator
  in  jeder  derselben  ist  der  Direktor  der  Akademie.

Im  Jahre  1902  haben  an  der  Akademie  mit  Erfolg  abgelegt:
die  Abgangsprüfung  20  Studierende,  die  landwirtschaftliche  Staatsprüfung
  5,  das  Examen  für  Tierzuchtinspektoren  4,  die  Landmesserprüfung
  73,  die  erweiterte  kulturtechnische  Prüfung  24.

Im  Durchschnitt  des  Wintersemesters  1902/03  und  des  Sommersemesters
  1903  betrug  die  Zahl  der  Studierenden  für  jedes  Semester
  371,  von  denen  353  Inländer  (Reichsdeutsche),  18  Ausländer
waren.  Unter  der  Gesamtzahl  befanden  sich  353  ordentliche  Hörer,
also  immatrikulierte  Studenten  und  18  außerordentliche.*)  Unter  den
353  ordentlichen  Hörern  studierten  133  Landwirtschaft,  220  Geodäsie
bezw.  Kulturtechnik.

IV.  Finanzielle  Verhältnisse,

Die  Gesamteinnahme  der  Akademie  (ausschließlich  der
Gutswirtschaft)  bezifferte  sich  im  Etatsjahre  1902/03  auf  279  476,72  M.

*)  Daß  die  Zahl  der  ordentlichen  Hörer  mit  der  Zahl  der  Inländer  und  die  Zah
der  außerordentlichen  Jlörer  mit  der  Zahl  der  Ausländer  übereinstimmt,  benuht  auf  einem
reinen  Zufall.  Die  Auslünder  waren  ausnahmslos  ordentliche  IIörer.