Die  Königlich  Württembergische  landwirtschaftliche  Akademie  ITohenheim.  097

erfuhren  rasche  Erweiterung.  Schon  1819  fand  die  Tierheilkunde
Aufnahme  unter  die  Lehrfächer;  1820  wurde  die  Forstschule  von
Stuttgart  nach  Hohenheim  verlegt  und  mit  der  landwirtschaftlichen
Anstalt  vereinigt.  Die  nächsten  Jahre  brachten  die  Berufung  eigener
Fachlehrer  für  Schafzucht,  Technologie  und  Obstbaumzucht,  sowie  die
Schaffung  einer  weiteren  Hauptichrerstelle  für  Landwirtschaft.  Im
Jahre  1829  wurde  der  botanische  Garten  angelegt,  1830  Scidenzucht
eingeführt  und  eine  Zuckerfabrik  gegründet,  der  sich  in  den  nächstfolgenden
  Jahren  eine  Brennerei,  Brauerei,  Essigsiederei  und  Stärkefabrik
  anreihte.  Im  Jahre  1847  erhielt  die  Anstalt  den  Titel  „landund
  forstwirtschaftliche  Akademie.“  Die  Schriften  Liebigs  veranlaßten
1854  die  Errichtung  eines  Lehrstuhls  für  Agrikultur-  und  allgemeine
Chemie  an  der  Akademie.  Sein  erster  Inhaber  Emil  Wolff  (1818  bis
1896)  gründete  1865  die  landwirtschaftlich-chemische  Versuchsstation.
In  demselben  Jahre  erfolgte  die  Reorganisation  der  Akademie.  Sie
wurde  zur  Hochschule  erhoben,  dem  Ministerium  des  Kirchen-  und
Schulwesens  unmittelbar  unterstellt  —  vorher  stand  sie  unter  der
Königlichen  Zentralstelle  für  die  Landwirtschaft  —  und  zugleich  mit
einer  dritten  ordentlichen  landwirtschaftlichen  Professur  ausgestattet.
Dem  Bedürfnis  weiterer  Vertiefung  des  naturwissenschaftlichen  Unterrichts
  trug  die  Neuschaffung  besonderer  Lehrstühle  für  Zoologie  (1867)
und  Geologie  (1874)  Rechnung.  Die  Volkswirtschaftslehre,  die  schon
seit  1850  Lehrgegenstand  war  und  von  dem  Akademiesekretär  inı
Nebenamt  vorgetragen  wurde,  erhielt  1876  einen  besonderen  Vertreter.
  Eine  schwere  Krisis  machte  die  Akademie  im  Jahre  1881
durch,  als  die  forstwirtschaftliche  Abteilung  abgelöst,  mit  der  Universität
  Tübingen  vereinigt  und  im  Zusammenhang  hiermit  die  Frage
der  gänzlichen  Aufhebung  der  Akademie  aufgerollt  wurde.  Die
Akademie  blieb  bestehen  und  erfuhr  in  der  Folgezeit  einen  stetig
fortschreitenden  Ausbau  ihrer  Einrichtungen.  Schon  1878  war  die
Samenprüfungsanstalt  errichtet  worden,  im  Jahre  1883  kam  hinzu  dic
Molkerei  und  die  Maschinenprüfungsanstalt,  1887/88  die  Fischzuchtanstalt,
  1889  die  Versuchsstation  für  Gärungsgewerbe  und  1892  die
Untersuchungsstelle  für  Milch  und  Molkereiprodukte.  Anderseits  wurde
1883  die  der  modernen  Technik  nicht  mehr  entsprechende  Zuckerund
  Stärkefabrik  aufgehoben  und  im  Jahre  1884  die  Scidenzucht  aufgegeben,
  da  sich  die  auf  ihre  Einführung  in  Württemberg  gerichteten
Bestrebungen  als  erfolglos  erwiesen  hatten.  —  Als  jüngstes  Institut
hat  sich  der  Akademie  im  Jahre  1902  angegliedert  die  Anstalt  für
Pflanzenschutz.

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  IV,  z,  7