Einleitung.  111

die  vollständige  oder  teilweise  Obduktion  eines  gefallenen  Tieres
mit  protokollarischer  Aufnahme  des  Befundes,  Anfertigung  mikroskopischer
  Präparate,  die  für  die  gerichtliche  oder  polizeiliche  Tierheilkunde
  wichtig  sind,  Bearbeitung  eines  Gutachtens  oder  eines
veterinärpolizeilichen  Berichtes  unter  Klausur.  Der  mündliche
Abschnitt,  welcher  auf  den  bestandenen  praktischen  folgt,  erstreckt
sich  über  Gegenstände  aus  der  gerichtlichen  oder  polizeilichen
Veterinärmedizin  einschließlich  der  Fleischbeschau.  Tierärzten,  welche
dieses  Examen  bestanden  haben,  steht  die  Laufbahn  der  beamteten
Tierärzte  offen.  Sie  werden  auch  bei  der  Anstellung  im  Kommunaldienst
  und  im  Gestütswesen  bevorzugt.

3.  Alle  diese  Ausführungen  beziehen  sich  auf  das  Studium  und
die  Laufbahn  der  Ziviltierärzte.  Die  Militärbehörden  haben  seit  der
Einrichtung  tierärztlicher  Lchranstalten  die  Ausbildung  der  Militärveterinäre
  selbst  bewirkt.  Sie  geschieht  in  Preußen,  Bayern  und
Sachsen  gesondert.  In  Preußen  werden  nicht  nur  die  Veterinäre  für
die  eigene  Armee,  sondern  auch  für  die  anderen  deutschen  Staaten,
mit  Ausnahme  von  Bayern  und  Sachsen,  in  Berlin  ausgebildet.  Hier
befindet  sich,  neben  der  tierärztlichen  Hochschule  gelegen,  die  Militär-Veterinär-Akademie.
  In  dieselbe  werden  die  Studierenden  aufgenommen,
  welche  sich  der  Karriere  widmen  wollen.  Sie  treten  als
Veterinär-Aspiranten  bei  der  Kavallerie,  Artillerie  oder  dem  Train
ein  und  werden  nach  monatlicher  Ausbildung  im  Truppendienst  auf
weitere  6  Monate  zur  Militär-Lehrschmiede  in  Berlin  kommandiert,
nach  hier  bestandener  Prüfung  im  Hufbeschlage  in  die  Militär-Veterinär-Akademie
  geschickt,  wo  sie  den  Rang  der  Unteroffiziere
haben.  Von  der  Akademie  aus  besuchen  sie  sämtliche  Vorlesungen
und  praktischen  Übungen  an  der  tierärztlichen  Hochschule.  Sie  werden
hier  den  Zivilstudierenden  vollkommen  gleich  erachtet,  haben  auch
dieselben  Prüfungen  wie  diese  abzulegen  und  den  gleichen  Grad  der
Vorbildung  nachzuweisen.  Auf  Grund  der  bestandenen  Fachprüfung
erhalten  sie  auch  die  tierärztliche  Approbation.  In  der  Militär-Veterinär-Akademie,
  die  jetzt  noch  unter  der  Leitung  eines  Stabsoffiziers
  steht,  werden  die  Studierenden  durch  Oberveterinäre  und
Stabsveterinäre,  die  die  Bezeichnung  Inspizienten  führen,  bei  ihren
Arbeiten  beaufsichtigt  und  geleitet,  auch  in  Repititionsstunden  unterrichtet.
  Nach  bestandener  tierärztlicher  Fachprüfung  werden  die
Studierenden  zu  Unterveterinären  ernannt  und  zu  einem  6monatlichen
Lehrkursus  zur  Militär-Lehrschmiede  in  Berlin  kommandiert.  Erst
hiernach  erfolgt  die  Überweisung  an  die  Truppenteile.