112  Tierärztliche  Hochschulen.

Die  Studierenden  der  Militär-Veterinär-Akademie  genießen  unentgeltlichen
  Unterricht  in  der  tierärztlichen  Hochschule,  freie  Wohnung
  in  der  Akademie,  erhalten  auch  die  zum  Studium  erforderlichen
Bücher,  sowie  Verpflegungsgeld  und  Uniform.  Die  letztere  wird  nur  bei
besonderen  Gelegenheiten  angelegt;  in  der  Regel  tragen  die  Studierenden
  Zivilkleidung.  Die  Veterinär-Aspiranten  übernehmen  bei  ihrem
Eintritt  die  Verpflichtung,  nach  ihrer  Approbation  als  Tierarzt  für
jedes  Semester,  das  sie  auf  der  Akademie  zugebracht  haben,  1  Jahr
als  Veterinäre  in  der  Armee  zu  dienen.  Demnach  beläuft  sich  die
Dienstverpflichtung  auf  mindestens  7  Jahre.  Die  Bildung  eines
Veterinär-Ofhzierkorps  steht  bevor.  Dasselbe  wird  sich  aus  den
Korpsstabsveterinären,  den  Stabsveterinären,  Öberveterinären  und
Unterveterinären  zusammensetzen.

In  Bayern  und  Sachsen  werden  die  Militär-Veterinäre  an  den
tierärztlichen  Hochschulen  zu  München  und  Dresden  ausgebildet.
Besondere  Akademien  bestehen  in  diesen  Staaten  nicht.  Im  übrigen
sind  dic  Verhältnisse  dieselben  wie  in  Preußen.

Die  aus  dem  Militär  ausscheidenden  Veterinäre  sind  berechtigt,
die  tierärztliche  Praxis  auszuüben  und  sich  auch,  wenn  sie  die  für
beamtete  Tierärzte  vorgeschriebene  Prüfung  abgelegt  haben,  um  die
Anstellung  als  solche  zu  bewerben.

Die  Zivilstudierenden  der  Tierheilkunde  können  ihrer  Militärdienstpflicht
  als  Einjährig-Freiwillige  in  der  Armee  genügen  oder  sich
bis  zum  vollendeten  Studium  und  der  erlangten  Approbation  zurückstellen
  lassen.  Sie  treten  dann  bei  einem  berittenen  Truppenteil  als
Freiwillige  ein,  werden  ein  halbes  Jahr  mit  der  Waffe  ausgebildet
und  nach  Ablegung  einer  Prüfung  im  Hufbeschlage  bei  guter  Führung
und  entsprechender  dienstlicher  Befähigung  zu  freiwilligen  Uhnterveterinären
  ernannt.  Als  solche  dienen  sie  während  des  zweiten
halben  Jahres.  Sie  werden  nachher  als  Veterinäre  des  Beurlaubtenstandes
  entlassen  und  können  später  zu  Dienstleistungen  bei  den
Truppen  eingezogen,  auch  zu  Oberveterinären  bezw.  Stabsveterinären
ernannt  werden.

Die  Aussichten,  die  das  Studium  der  Tierheilkunde  jungen
Männern  bietet,  sind  nicht  ungünstig.  Durch  den  intensiven  Betrieb
der  Landwirtschaft  und  die  Förderung  der  Viehzucht  in  allen  Teilen
des  Reiches  sind  die  Viehbestände  erheblich  vermehrt,  vergrößert
und  verbessert  worden.  Infolgedessen  ist  auch  der  Bedarf  an  Tierärzten
  ein  größerer  wie  früher.  Hierzu  kommt,  daß  die  Einführung
der  allgemeinen  Vich-  und  Fleischbeschau  im  ganzen  Deutschen  Reich