120  Tierärztliche  Hochschulen.

Kreistierärzte  an,  welche  das  Fähigkeitszeugnis  zur  Anstellung  als
Departementstierarzt  erwerben  wollten.  Es  konnten  sich  nur  Kreistierärzte,
  die  als  solche  mindestens  5  Jahre  fungiert  und  sich  durch
ihre  amtliche  Wirksamkeit,  sowie  durch  ihre  Leistungen  als  praktische
Tierärzte  die  vollkommene  Zufriedenheit  der  Aufsichtsbehörde  und
das  Vertrauen  des  Publikums  erworben  hatten,  zu  dieser  Prüfung
melden,  die  in  einen  schriftlichen  und  einen  mündlichen  Teil  zerhel
und  von  dem  technischen  Direktor  der  Tierarzneischule  in  Verbindung
mit  dem  Lehrerkollegium  abgenommen  wurde.  Durch  alle  diese  Instruktionen
  und  Reglements  waren  an  der  Anstalt  geordnete,  stabile
Verhältnisse  geschaffen  worden,  unter  denen  es  den  Lehrern  möglich
war,  tüchtige  Tierärzte  zu  bilden  und  auch  die  Wissenschaft  zu  pflegen.
Im  Lehrerpersonal  fanden  in  dieser  Zeit  keine  wesentlichen  Veränderungen
  statt:  1854  starb  Professor  Störich.  Seine  Vorträge  über  Haustierzucht
  und  Diätetik  übernahm  l.eisering.  1857  wurde  Köhne,  der
schon  mehrere  Jahre  klinischer  Assistent  gewesen  war,  als  Lehrer  angestellt.
  1859  verließ  Gerlach  die  Anstalt,  um  die  Direktion  der  Tisrarzneischule
  in  Hannover  zu  übernehmen.  Die  Leitung  der  ambulatorischen
Klinik  ging  von  ihm  an  Hertwig  über.  Die  Vorlesungen  über  Rindvich-,
  Schaf-  und  Schweinezucht  sowie  die  allgemeine  Tierzuchtlehre
übernahm  zuerst  Winkler  und  nach  dessen  Ausscheiden  1862  Müller,
der  nach  Gurlts  Abgange  1870  L.chrer  der  Anatomie  wurde.

Nach  der  Bildung  des  norddeutschen  Bundes  im  Jahre  1806
wurden  in  der  Gewerbeordnung  Vorschriften  über  den  Nachweis  der
Befähigung  als  Tierarzt  in  Aussicht  genommen.  Der  Unterschied
zwischen  Tierärzten  I.  und  II.  Klasse  fiel  fort  und  cs  wurde  eine
neue  Prüfungsordnung  vom  25.  September  1869  erlassen,  welche  die
bestehenden  Vorschriften  außer  Kraft  setzte.  Durch  diese  Verordnung
wurde  nicht  nur  die  Vorbildung  der  Eleven,  sondern  auch  die
Studiendauer  herabgesetzt,  denn  man  ging  hinsichtlich  der  Vorbildung
auf  die  Reife  der  Sekunda  eines  Gyninasiums  oder  einer  Realschule
und  bezüglich  der  Studiendauer  auf  6  Semester  zurück.

Gurlt  trat  am  1.  April  1870  in  den  Ruhestand.  An  seine  Stelle
wurde  Gerlach  als  alleiniger  Direktor  berufen.  I:sse  wurde  von  der
Mitdirektion  entbunden  und  trat  als  Spezialkommissar  des  Ministers
in  das  Kultusministerium  ein.  Spinola  und  der  Beschlaglehrer  Hofmeister
  wurden  zu  gleicher  Zeit  pensioniert.  Als  klinische  Lehrer
kam  an  Stelle  Köhncs,  der  nach  Hannover  ging,  Dieckerhoff;  beide
Kliniken  wurden  miteinander  vereinigt  und  der  Leitung  Gerlachs
unterstellt.  Er  hat  das  große  Verdienst,  den  Unterricht  an  der  Tier-