Die  tierärztliche  Hochschule  in  Berlin.  121

arzneischule  zweckmäßig  gestaltet,  namentlich  die  einzelnen  Lehrfächer
richtig  verteilt  zu  haben.  Müller  wurde  die  Anatomie,  Zoologie  und
Botanik  überwiesen.  Der  bisherige  Repetitor  Dr.  Schütz  erhielt  den
Vortrag  der  als  besondere  L.ehrfächer  aufgenommenen  pathologischen
Anatomie  und  Histologie  mit  mikroskopischen  Übungen.  In  Professor
Hermann  Munk  wurde  ein  Physiologe  vom  Fach  und  in  dem  Privatdozenten
  Dr.  Pinner  ein  besonderer  Chemiker  berufen.  Eine  weitere
Vermehrung  des  L.ehrerkollegiums  erfolgte  im  Jahre  1874  durch
Möller  und  Eggeling,  welche  sich  beide  der  klinischen  Tätigkeit
widmeten.

Eine  neue  Ära  für  die  Anstalt  und  das  Veterinärwesen  begann
mit  dem  Jahre  1872,  wo  die  preußischen  Tierarzneischulen  und  die
Verwaltung  des  Veterinärwesens  mit  Einschluß  der  Vetcrinärpolizei
aus  dem  Ressort  des  Kultusministeriums  in  das  des  Ministers  für  die
landwirtschaftlichen  Angelegenheiten  übergingen.  Unter  dieser  Verwaltung
  ist  die  Anstalt  bis  jetzt  geblieben.  Ihre  Angelegenheiten
bearbeitet  seitdem  ein  vortragender  Rat  des  Ministeriums  als  Dezernent
für  das  Veterinärwesen.  Im  Auftrage  des  Ministers  verfaßte  Gerlach
im  Jahre  1873  ein  neues  Regulativ  für  die  Prüfung  der  Tierärzte,
welche  das  Fähigkeitszeugnis  zur  Anstellung  als  Kreis-  und
Departementstierärzte  zu  erwerben  beabsichtigten.  Dasselbe  trat  am
20.  Oktober  1873  in  Kraft.

Eine  Kabinettsorder  vom  15.  Juni  1874  bestimmte,  daß  die
Militäreleven  künftig  die  für  die  Zulassung  zum  einjährig-freiwilligen
Dienst  vorgeschriebene  Schulbildung,  d.  h.  die  Reife  für  die  Obersckunda
  besitzen  mußten.  Hiernach  waren  die  Anforderungen  an
die  Vorbildung  bei  den  Militäreleven  zeitweise  höhere  wie  bei  den
Zivileleven,  da  von  diesen  nach  dem  FErlaß  von  1869  nur  die  Reife
für  die  Sekunda  gefordert  wurde.  Inzwischen  trat  Gerlach  bei  denı
vorgesetzten  Ministerium  für  die  allgemeine  Erhöhung  der  Vorbildung
aller  Studierenden  der  Tierheilkunde,  für  cine  Verlängerung  der
Studienzeit  und  eine  Verschärfung  der  Approbationsprüfung  cin.
1876  wurde  cin  von  der  technischen  Deputation  für  das  Veterinärwesen
  vorgelegter  Entwurf  zu  einem  Regulativ  für  die  Prüfung  der
Tierärzte,  welche  das  Fähigkeitszeugnis  zur  Anstellung  als  beamteter
Tierarzt  zu  erwerben  beabsichtigten,  genchmigt,  der  mit  geringen
Abänderungen  noch  jetzt  in  Kraft  ist.  Im  Jahre  1877  trat  Hertwig
nach  54jähriger  I.chrtätigkeit  in  den  Ruhestand  und  in  demselben
Jahre  starb  Gerlach.  Sein  Nachfolger  wurde  Roloff.  Nunmehr  erhielt
Dieckerhoff  als  Vertreter  der  Pathologie  die  Leitung  der  Klinik  für