Die  tierärztliche  Tlochschule  in  Berlin.  127

Ill.  Ausstattung.

Die  Hochschule  besitzt  folgende  selbständige  Institute:

I.  Das  anatomische  Institut.  Es  ist  in  den  Jahren  1%)  bis
1902  erbaut  und  wird  von  Professor  Dr.  Schmaltz  geleitet.

Fs  besteht  aus  2  Flügeln,  welche  eimen  geräumigen  }lofbegrenzen.  Im  westlichen
Teil  liegt  ein  großer  }lörsaal,  der  durch  2  Stockwerke  reicht  und  von  2  Seiten  Licht
e  hält.  Die  terrassenförmig  übereinander  liegenden  Sitzreihen  haben  300  Plätze,  welche
von  unten  und  oben  zugänglich  sind.  Die  hohen  Fenster  sind  mit  einer  elektrisch  betriebenen
  Verdunklungsvorrichtung  versehen,  die  bei  Benutzung  des  Projektionsapparates
gebraucht  wird.  Hinter  dem  geräumigen  Katheder  befinden  sich  hohe  Tafeln,  welche
zum  Teil  wit  Darstellungen  des  Pferdeskeletts  bedeckt  sind  und  auf  welche  während  der
Vorlesungen  die  (sefäße,  Nerven  usw.  eingezeichnet  werden,

Im  oberen  Stockwerk  des  Ostflügels  liegen  2  große  Präpariersäle,  die  mit  Öberlicht
versehen  sind,  außerdem  aber  durch  hohe  Seitenfenster  und  elektrische  Beleuchtung  Licht
erhalten.  Die  Säle  haben  einen  Asphaltfußboden  und  sind  mit  100  Tischen  für  200
Präparatoren  bestellt.  Ein  elektrisch  betriebener  Aufzug  vermittelt  den  I’ransport  von
Präparaten  und  Kadavern  aus  dem  Erdgeschoß  in  die  Räume.

Der  eine  Präpariersaal  dient  im  Sommer  zu  den  histologischen  Übungen.  Hierzu
wird  eine  dreistufge  hölzerne  Terrasse  errichtet,  auf  denen  3  Reihen  Mikroskopiertische
aufzustellen  sind.  Unter  den  Präpariersälen  liegt  im  ersten  Stock  das  Museum  mit  mehreren
Säulenreihen  und  Galerien.  Unten  stehen  die  Skelette,  oben  staubdichte  Schränke  und
Kasten  für  die  Präparate.  linter  dem  Museum,  bis  ins  Erdgeschoß  reichend,  liegt  der
Seziersaal,  wo  die  getöteten  Tiere  exenteriert  werden  und  der  situs  viscerum  gelehrt  wird.
Eine  hohe  dreistuhge  Terrasse,  die  im  Halbkreise  die  Seziertische  umgibt,  bietet  Raum
für  100  Studierende.

Im  oberen  Stockwerk  liegen  außerdem  1  Prüfungszimmer,  1  Bibliothekzimmer,
1  Zeichenatelier,  9  Arbeits-  und  1  Empfangsziminer  des  Dirigenten  des  Instituts.  Im
unteren  Stock  sid  1  histologisches  Laboratorium  sowie  Zimner  für  den  Prosektor  und
die  Assistenten,  im  Erdgeschoß  Werkstätten  und  Wohnräume  für  die  Institutsdiener,
Injektionsküche,  Mazerationsräume  mit  einer  geruchlos  arbeitenden  Einrichtung,  ferner
Konservierungsbehälter  und  1  Gefrierkeller,  in  welchen  große  Kadaver  zum  völligen
Durchfrieren  gebracht  und  nachher  mittels  eines  Sägeapparates  in  Schnitte  zerlegt  werden
können.  Das  Institut  ist  mit  Zentralheizung  versehen  und  in  allen  'Teilen  elektrisch

beleuchtet.

2.  Das  pathologische  Institut  wurde  1882  und  1883  erbaut
und  steht  unter  der  Leitung  des  Geheimen  Regierungs-Rats  Professor
Dr.  Schütz.

Es  besteht  aus  1  Kellergeschoß  und  2  Stockwerken.  Durch  den  Eingang  tritt
man  in  1  Vorhalle,  von  der  aus  ein  in  der  längsachse  des  Instituts  gelegener  Korridor
nach  rechts  in  die  Sektionsräume  und  nach  links  in  den  Mikroskopiersaal  führt.  Ferner
liegen  im  I.  Stock  1  Empfangszimmer  des  Professors,  1  bakteriologisches  I.aboratorium,
1  chemisches  Laboratorium,  1  Laboratorium  fiir  experimentelle  Forschung  auf  dem  Gebiete  der
pathologischen  Physiologie  und  1  Assistentenzimmer.  Im1.  Stock  befindet  sich  ein  großer  Hörsaal

  für  ca.  200Stucierende,  1  Bibliothek  und  geräumi  lungssäle,  in  denen  unter  anderen
die  alte  ausgezeichnete  Sammlung  Gurhs  über  "Mißgeburten,  ferner  eine  schr  reiche
Samnlung  der  seltensten  pathologisch-anatomiscl  Präparate  aufgestellt  sind.  Im

Kellergeschoß  befinden  sich  Stallungen  für  kleine  Versuchstiere,  2  Räume,  in  denen  die