Die  tierärztliche  Hochschule  in  Berlin.  129

7.  Die  chirurgische  Klinik.  Leiter  ist  Professor  Dr.  Fröhner.
Sie  besteht  aus  2  Gebäuden.

Das  ältere  enthält  inı  Zentrum  1  Operationshalle,  an  welche  sich  4  Stallabteilungen
mit  29  Ständen  und  Boxen  für  zusammen  49  Pferde  anschließen.  Dieser  Teil  der  Klinik
dient  ausschließlich  zur  Anfnahme  und  Behandlung  von  Pferden  mit  infizierten,  eiternden
Wunden.  Das  neue  Klinikgebände  umfaßt  eine  Operationshalle  niit  Auditorium.  Neben
derselben  liegt  eine  Stallabteilung  mit  11  Ständen  für  16  Pferde.  Die  Halle  steht  mit
der  Beschlagbrücke  in  Verbindung.  Vor  derselben  liegen  1  Instrunmentenzimmer,  1  Mikroskopierzimmer,
  1  Photographierraum,  1  Kabinett  für  Röntg  hungen,  1  Zimmer
für  den  Vorstand  der  Klinik  und  einige  Sanımlungsräume.  Das  neue  Klinikgebände  ist
ausschließlich  für  aseptische  Operationen  und  für  die  aseptische  Wundbehandtung  bestimnit.
Über  den  alten  Stallräumen  liegen  die  Wohnungen  für  die  Wärter.  In  der  chirurgischen
Klinik  werden  jährlich  etwa  400  größere  Operationen  ausgeführt  und  zirka  1200  Pferde
behandelt.

8.  Die  Poliklinik  für  größere  Haustiere.  Leiter  derselben
ist  Professor  Dr.  Eberlein.  In  der  Poliklinik  für  größere  Haustiere
werden  nur  die  vorgeführten  Tiere,  vorzugsweise  Pferde,  behandelt.
Sie  hat  die  Aufgabe,  die  Studierenden  des  letzten  Semesters  für  die
Praxis  vorzubereiten,  sie  in  der  Diagnostik  und  Behandlung  der
Krankheiten,  der  Vornahme  kleinerer  Operationen,  dem  Anlegen
von  Verbänden  usw.  zu  üben.  Zu  diesem  Zweck  werden  den  Praktikanten
  die  Patienten  zur  selbständigen  Untersuchung  unter  der  Aufsicht
  des  Professors  und  seiner  Assistenten  überwiesen.  Wichtigere
Krankheitsfälle  werden  demonstriert.

Das  Unterrichtsmaterial  ist  ein  sehr  reichhaltiges.  Es  umfaßt  jährlich  zirka  12  bis
13000  Pferde,  einzelne  Rinder,  10—20  Ziegen,  20—30  Schweine,  Schafe  usw.  Mit  der
Poliklinik  verbunden  ist  der  Unterricht  über  die  ‘Theorie  des  Hufbeschlags  und  die  Hufkrankheiten
  sowie  über  Exterieur  und  Pferdezucht.  Die  Untersuchung  und  Behandlung
der  zugeführten  Tiere  findet  teils  im  Freien,  teils  in  2  Ilallen  statt,  in  denen  die  nötigen
Instrumente,  Verbandmittel,  Apparate  usw.  untergebracht  sind.  Neben  diesen  Rännıen
hiegt  die  Schmiede,  welche  von  einem  Beschlagmeister  geleitet  wird  und  in  der  auch  die
Übungen  am  Huf  unter  der  Aufsicht  des  Dirigenten  der  Poliklinik  und  seiner  Assistenten
stattfinden.  .

9.  Die  Klinik  für  kleinere  Haustiere.  Sie  steht  unter  der
Leitung  des  Professors  Regenbogen.

Die  Räume  derselben  werden  jetzt  durch  An-  und  Umbau  erweitert  und  den
Bedürfnissen  der  Neuzeit  entsprechend  eingerichtet.  Die  Klinik  zerfällt  hiernach  in  zwei
Abteilungen,  nämlich  in  die  Poliklinik  und  in  die  Spitalklinik  für  kleinere  Haustiere.

Der  ersteren  dient  ein  großes  Wartezimmer  für  das  Publikum  und  ein  dahinteriegender
  ebenso  großer  Untersuchungsraum  mit  Öperations-  und  Verbandtischen  sowie
Plätzen  für  mikroskopische  und  chemische  Untersuchungen.  Die  Frequenz  dieser  Poliklinik
  ist  auch  von  Jahr  zu  Jahr  größer  geworden,  sie  betrug  in  den  letzten  Jahren
10-12  000  Tiere  pro  unno.  Die  neue  Spitalklinik  für  kleinere  Haustiere  enthält  6  Abteilungen,
  nämlich  je  eine  für  Infektionskrankheiten,  parasitäre  Hautkrankheiten,  chirurgische
  Krankheiten,  nicht  infektiöse  innere  Krankheiten,  Tollwut,  Geflügelkrankheiten.
Jede  Abteilung  ist  für  sich  abgeschlossen  und  die  vier  zuerst  genannten  sind  von  getrennten
Laufhöfen  umgeben.  Neben  der  chirurgischen  Station  liegt  ein  Operationssaal  mit  Podiuni,

Das  Unterrichiswesen  im  Deutschen  Reich,  IV.  -.  9