Die  Königl.  Preußische  tierärziliche  Hochschule  in  Ilannorer.  133

keine  gestaltlichen  Veränderungen  an  ihr  vorgenommen.  Frst  im
Jahre  1846  kam  es  dazu,  daß,  unter  Aufgabe  des  alten  Anstaltshauses,
der  gesamte  Unterricht  nach  dem  neuen  Platze  verlegt  und  namentlich
  zunächst  die  Zahl  der  Stände  für  kranke  Pferde  vermehrt  wurde.
Immerhin  blieben  die  Einrichtungen  unzulänglich.,  Die  Regierung
verschloß  sich  der  Erkenntnis  auch  nicht,  daß  Wandel  geschaffen
werden  müsse,  sollte  die  Schule  nicht  weit  hinter  den  Schwesteranstalten
  zurückstehen  und  die  Ausbildung  der  hannoverschen  Tierärzte
  erhebliche  Mängel  erleiden.  Unter  dem  jetzt  folgenden  Direktor,
Fr.  Günther,  wurde  denn  auch  der  Neubau  einer  Anatomie,  einer
größeren  Operationshalle  und  mehrerer  Ställe,  auch  mit  Ständen  für
einige  Kühe  und  Schweine,  in  Angriff  genommen  und  durchgeführt,
das  Lehrpersonal  auf  2  Hauptlehrer,  2  Hilfslehrer  und  einen  Schmiedelehrer
  gebracht  und  der  Schulkursus  auf  3  Jahre  verlängert  und
unter  dem  Dircktor  Gerlach,  welcher  von  1859—1870  die  Anstalt
leitete,  eine  neue  J.ehrschniiede,  welche  man  damals  für  ein  unentbehrliches
  Requisit  einer  Tierarzneischule  ansah,  errichtet.  Unmfassendere
  Neubauten  crfolgten  aber  erst  unter  Gerlachs  Nachfolger,
dem  Direktor  K.  Günther.  Dieser  setzte  es  durch,  daß  ein  neues
Verwaltungsgebäude,  ein  pathologisch  -  anatomisches  Institut,  ein
Hundespital,  ein  besonderer  Rotzstall,  ein  Rundstall  für  gehirnkranke
Pferde  und  Versuchsställe  erbaut,  daß  die  Räume  für  Apotheke,
Bibliothek  und  Sammlungen  vergrößert  und  auch  Einrichtungen  für
den  mikroskopischen  Unterricht  geschaffen  wurden.  \Vährend  seiner
Leitung  ward  auch  die  Studienzeit  auf  7  Semester  ausgedehnt  und
die  Anforderung  an  die  Vorbildung  für  die  Aspiranten  des  tierärztlichen
  Faches  auf  die  Reife  für  die  Prima  eines  humanistischen  oder
Realgymnasiums  gebracht.

Bis  hierher  war  die  Frequenz  der  Ticrarzneischule  dauernd
ziemlich  konstant  geblieben.  Nur  zweimal  im  Laufe  ihres  hundertjährigen
  Bestehens  war  es  vorgekommen,  dafs  62  resp.  60  Eleven,
wie  man  die  jetzigen  Studierenden  damals  nannte,  in  einem  Semester
gezählt  wurden;  abgesehen  hiervon  hatte  deren  Zahl  fortgesetzt
zwischen  etwa  30  bis  50  geschwankt.  Außer  dem  Staate  Hannover
waren  es  vornehmlich  Braunschweig,  Oldenburg  und  Schleswig-Holstein,
  welche  ihre  I.andesangehörigen  hierher  entsandten.

Als  der  jetzige  Direktor  Dr.  Dammann  im  Sommersemester
1880  die  Leitung  der  Anstalt  übernahm,  zählte  sie  45  Studierende
und  7  Hospitanten.  Diese  Zahl  stieg  nun  von  Jahr  zu  Jahr  schr  erheblich,
  und  unter  den  Neueingetretenen  befanden  sich  alsbald  nicht