Die  Königl.  Bayerische  tierärztliche  Hochschule  in  München.  141

wirksame  Seuchentilgung  nicht  durchzuführen  sei,  führte  zur  Gründung
der  bayerischen  Tierarzneischule.

Dieselbe  wurde  auf  Antrag  des  Ministers  Grafen  v.  Rumford
durch  Reskript  des  Kurfürsten  Carl  Theodor  am  1.  Mai  1790  zu
München  errichtet.

Die  Eröffnung  erfolgte  unter  den  Beifallsbezeugungen  des  gebildeten
  Publikums;  aber  die  Vorurteile  der  großen  Menge  waren
noch  festgewurzelt;  man  hielt  damals  und  noch  längere  Zeit  später
die  Beschäftigung  mit  kranken  und  vor  allem  die  Berührung  der
toten  Tiere  für  eine  unwürdige,  nur  den  Wasenmeistern  zukomniende
Verrichtung.

Diese  Anschauungen  bewirkten  auch,  daß  trotz  der  anfangs
leichten  Aufnahmebedingungen  —  mit  der  Fähigkeit  des  L.esens  und
Schreibens  war  die  Möglichkeit  zur  Aufnahme  gegeben  —  der  Zugang
an  Schülern,  die  dazu  noch  aus  den  niedersten  Kreisen  stammten,
ein  äußerst  geringer  war.  Allerdings  hatte  das  Allerhöchste  Reskript
schon  vorgeschen,  daß  ein  ehrsamer  Stand  an  dem  Studium  der
Veterinärmedizin  teilnehme,  indem  bestimmt  war,  daß  jedes  Kavallerieregiment
  den  geschicktesten  Schmied  an  die  Anstalt  kommandieren
solle.  Diese  Schmiede  blieben  dann  diejenigen,  welche  nicht  nur  bis
zur  Organisation  im  Jahre  1810,  sondern  auch  späterhit  noch  einige
Dezennien  lang  als  die  geeignetsten  Persönlichkeiten  zum  Studium
der  Veterinärmedizin  betrachtet  wurden.

Die  neuerrichtete  Anstalt  wurde  zunächst  dem  Hofkriegsrate
untergeordnet,  welcher  die  Leitung  einer  Kommission,  bestehend  aus
einem  Kriegsrat,  einem  Oberst  und  dem  ersten  Professor  übertrug.
Erster  Professor  wurde  Dr.  Will;  ihm  standen  ein  Schmiedelchrer,
ein  Pharmazeut  und  von  1803  ab  ein  Prosektor  als  Hilfslehrer  zur
Seite.  16  Zöglinge  —  B  aus  dem  Militär-  und  8  aus  dem  Zivilstand  —
erhielten  vollkommen  freie  Verpflegung  und  Bekleidung;  außer  diesen
konnten  noch  weitere  16  Zöglinge  gegen  eine  monatliche  Zahlung
von  10  fl.  in  die  Anstalt  aufgenommen  werden.  Der  „Lehrkurs“
dauerte  3  Jahre;  Unterrichtsgegenstände  waren  Exterieur  des  Pferdes,
Botanik,  Anatomie,  Physiologie,  Chirurgie  und  Operationslehre,  medizinische
  Materic,  allgemeine  und  besondere  Pathologie,  Hufbeschlagskunst.
  Als  Lehrattribute  hatte  die  Anstalt  ein  Spital  mit  28  Ständen,
ein  anatomisches  Theater,  eine  Apotheke,  einen  botanischen  Garten
und  eine  Schmiede.

Im  Jahre  1800  erließ  Kurfürst  Max  Josef  ein  Reskript,  in  welchem
den  Landphysikern  und  Chirurgen  empfohlen  wurde,  neben  ihren