144  Tierärztliche  Hochschulen.

gymnasien,  I.yzeen  und  Gewerbeschulen  zur  Aufnahme.  Die  erste
Auswahl  der  zu  Tierärzten  auszubildenden  Personen  nach  der  vorgeschriebenen
  Norm  stand  den  Gerichtsärzten  zu.  Dicse  hatten  jedes
Jahr  vor  Mitte  September  ihr  Gutachten  über  die  um  Aufnahme
Nachsuchenden  mit  den  Zeugnissen  der  letzteren  an  die  Zentralveterinärschule
  einzureichen.  Die  Zahl  der  Eleven  an  der  Schule
wurde  auf  60  festgesctzt.  Darin  waren  aber  diejenigen  nicht  mit
einbegriffen,  welche  vom  Militär  an  die  Schule  geschickt  wurden.

Jeden  Monat  wurden  alle  Eleven  geprüft;  am  Schlusse  eines
jeden  Semesters  fand  eine  öffentliche  Prüfung  statt,  ebenso  auch  einc
öffentliche  Prüfung  am  Schluß  des  Schuljahres  in  Gegenwart  von
Regierungskommissären.  Nach  den  Resultaten  dieser  Prüfungen  wurden
die  Eleven  gereiht  und  den  besten  Preise  zuerkannt,  während  man
diejenigen,  welche  sich  als  nicht  geeignet  zum  Studium  erwiesen,
rücksichtslos  entließ.  Nach  Vollendung  des  dreijährigen  Kursus
mußten  sich  die  Fleven  einem  rigorosen  oder  Finalexamen  unterziehen.
Endlich  bestimmte  das  organische  Edikt  noch,  daß  Hufschmiede  ihr
Gewerbe  nur  dann  selbständig  ausüben  durften,  wenn  sic  an  der
Zentralveterinärschule  ihre  Befähigung  hierzu  durch  eine  Prüfung  erwiesen
  hatten.  Um  diese  Befähigung  zu  erlangen,  war  ihnen  hier
Gelegenheit  gegeben,  Untcrrichtskursen,  welche  an  der  Schule  abgehalten
  wurden,  anzuwohnen.  |

Die  Eleven  lebten  sämtlich  unter  recht  primitiven  Verhältnissen
im  Internat  und  waren  einer  sehr  strengen  Hausordnung  unterworfen.
Dieselben  mußten  die  ihnen  zugeteilten  Patienten  füttern,  tränken
und  putzen,  und  außerdem  mußten  sie  bei  Tag  und  Nacht  Stallwache
halten  und  dabei  die  volle  Reinhaltung  der  Ställe  besorgen,  endlich
abwechslungsweise  den  Dienst  als  Anatomiediener  und  Torwärter
versehen.

In  der  Berichtsperiode  von  1810—1852  waren  Vorstände  der
Schule  die  Oberstallmeister  Freiherr  von  Keßling  und  Freiherr
von  Freiberg;  als  Lehrer  wirkten  die  Professoren  Dr.  Will,  Dr.  Schwab,
Dr.  Laubender,  Dr.  Mundigl,  Dr.  Plank,  Dr.  Hofer,  Dr.  Possl,  Dozent
Niklas,  Prosektor  Ramoser  sowie  die  Schmiedelehrer  Groß,  Genter
und  Schreiber.

Gegen  Mitte  des  vergangenen  Jahrhunderts  begannen  die  Verhältnisse
  sich  endlich  zum  bessern  zu  wenden.

Die  Stellung  der  Tierärzte  dem  großen  Publikum  gegenüber
wurde  eine  andere  dadurch,  daß  mit  der  zunehmenden  Aufklärung