Die  Königl.  Bayerische  tierärztliche  Ilochschule  in  München.  145

die  Vorurteile  gegen  den  neuen  Stand  nachließen,  daß  der  Staat  und
die  I.andwirte  den  Wert  tüchtiger  Tierärzte  kennen  und  schätzen
lernten.  Der  Nachwuchs  an  jungen  Tierärzten  endlich  gelangte  teilweise
  mit  einer  besseren  als  der  verlangten  Vorbildung  zum  Studium
und  entstammte  mehrfach  schon  besseren  Kreisen.  Alle  diese  Umstände
  wirkten  zusammen,  daß  von  den  dreißiger  Jahren  ab  mannigfache
  Reformvorschläge  auftauchten.  Einige  tierärztliche  Kreisvereine,
mehrere  Abgeordnete  und  einzelne  Tierärzte  traten  energisch  für
eine  gründliche  Änderung  des  ganzen  Veterinärwesens  ein,  insbesondere
  war  es  Tierarzt  Dr.  Kreutzer,  der  hier  rühmend  genannt
werden  muß.  Schon  als  Militär-Veterinärpraktikant  hatte  derselbe
1834  ein  gediegenes  Schriftchen  herausgegeben,  in  welchem  er  in  überzcugender
  Weise  nicht  nur  die  Unzulänglichkeit  der  Vor-  und  Ausbildung
  der  Tierärzte  nachwics,  sondern  auch  dic  sonstigen  Mißstände
im  Veterinärwesen,  so  vor  allem  die  Bevormundung  durch  die  Ärzte,
eingehend  darlegte  und  wohlbegründete  Reformvorschläge  machte,
deren  Erfüllung  zum  größten  Teil  vor  kürzerer  oder  längerer  Zeit
bereits  erfolgt  ist,  zum  Teil  aber  auch  heute  noch  —  Angliederung
der  tierärztlichen  Fachschulen  an  Universitäten  wie  in  Hessen  und  in
der  Schweiz  —  cinen  lebhaften  \Vunsch  der  Tierärzte  bildet.  Diese
seine  weitblickenden  Pläne  vertrat  Kreutzer  auch  mit  aller  Schärfe,
als  er  —  1848  zum  Professor  an  der  Zentralveterinärschule  ernannt  —
mit  den  beiden  andern  Professoren  Schwab  und  Plank  sich  über  einc
Reorganisation  derselben  gutachtlich  äußern  sollte.  Die  letzteren
waren  jedcch  einer  prinzipiellen  Änderung  durchaus  abgeneigt,  woraus
derartige  Differenzen  entstanden,  daß  Kreutzer  1850  wegen  „Unverträglichkeit
  mit  seinen  Amtsgenossen“  entlassen  wurde  und  auch
der  dirigierende  Professor  Dr.  Schwab  1851  um  seinen  Abschied
einkam,

Nach  dem  Ausscheiden  Schwabs  erfolgte  dann  durch  Edikt  vom
29.  Mai  1852  die  Reorganisation  der  Schule,  während  eine  solche  des
übrigen  Veterinärwesens  'nicht  stattfand.

Die  Zentralveterinärschule  wurde  nunmehr  Zentraltierarzneischule
genannt  und  der  unmittelbaren  Aufsicht  und  Leitung  des  Ministeriums
des  Handels  unterstellt;  die  Vorstandschaft  und  Verwaltung  führte  ein
Direktor.

Als  neue  Lehrgegenstände  kamen  poliklinisch-ambulatorischer
Unterricht,  Reiten,  Fahren  und  körperliche  Übungen  hinzu;  als  neue
l.chrattribute  eine  Sammlung  von  Instrumenten  zur  Anstellung  von
Untersuchungen,  dann  ein  Rindvichzüchtungsstall  für  den  Unterricht

Das  Unterrichtswesen  Im  Deutschen  Reich.  IV,  2.  10