V.  Die  Königl.  Württembergische  tierärztliche  Hochschule
in  Stuttgart.

I.  Gründung  und  Entwicklung.

Die  Königl.  Württembergische  tierärztliche  Hochschule  in  Stuttgart
ist  wie  diejenigen  der  meisten  anderen  Staaten  in  erster  lL.inie  dem
Bedürfnis  nach  einer  wirksamen  Bekämpfung  der  Seuchen  entsprungen.
Nicht  zuletzt  aber  verdankt  sie  ihren  Ursprung  dem  Wunsche  des
Königs  Wilhelm  I.  nach  einer  tatkräftigen  Förderung  der  Viehzucht.
Nachdem  Württemberg  in  den  Jahren  1795  bis  1801  mehr  denn
40000  Stück  Rindvich  an  der  Rinderpest  verloren  hatte,  fand  der
erste  im  Jahre  1801  gemachte  Vorschlag  zur  Frrichtung  einer  Anstalt,
  in  welcher  die  da  und  dort  gesammelten  Erfahrungen  über
Tierkrankheiten  zusammengetragen  und  verarbeitet  und  von  welcher
die  Seuchentilgung  einheitlich  geregelt  und  gecignete  junge  Leute
zu  praktischen  Tierärzten  herangebildet  werden  sollten,  zwar  eine
günstige  Aufnahme;  aber  die  Ausführung  des  Planes  stieß  doch  auf
unvorhergesehene  ,  Schwierigkeiten.  Insbesondere  die  große  Reihe
politischer  Begebenheiten,  welche  in  den  Jahren  von  1807  bis  1813
die  deutschen  Regierungen  in  ganz  anderer  Richtung  in  Anspruch
nahmen  und  deren  Finanzen  erschöpften,  vermochte  die  Gründung
der  Tierarzneischule  trotz  allseitiger  Bemühungen  bis  zum  Jahre  1821
hinauszuschicben.

Das  der  Anstalt  zugewiescne  Areal,  dasjenige  der  bis  zum
Jahre  1817  bestandenen  Menageric,  war  mit  seinem  Flächenraum  von
2!/,  Hektar  und  seiner  annähernd  rechteckigen  Form  gewiß  recht
reichlich  bemessen  und  von  vornherein  auf  die  Bedürfnisse  einer
längeren  Reihe  von  Dezennien  ausreichend.  Die  darauf  teils  vorhandenen
  und  nur  entsprechend  umgeänderten,  teils  ncu  errichteten
Baulichkeiten  indessen  ließen  schon  nach  wenigen  Jahrzehnten  derart