160  Tierärztliche  Hochschulen.

zu  wünschen  übrig,  daß  der  Wunsch  nach  einer  vollständigen  Umgestaltung
  und  dem  weiteren  Ausbau  derselben  unter  Errichtung
einzelner,  voncinander  getrennter  Institute  bereits  in  jener  Zeit  unter
einsichtsvollen  und  sachverständigen  Kreisen  sich  zu  einer  unabweisbaren
  Forderung  hätte  verdichten  müssen.  J.eider  versäumte  man
jedoch,  an  maßgebender  Stelle  in  der  an  Mitteln  reich  gescegneten
Periode  um  1870  mit  der  erforderlichen  Energie  hierfür  vorstellig  zu
werden;  man  begrnügte  sich  mit  kleinen  in  der  Folge  unzweckmäßig
befundenen  Anbauten.  So  blieb  es  der  neuesten  Zeit  überlassen,
hierin  Wandel  zu  schaffen.  Erst  mit  dem  Ende  der  3Ver  Jahre  des
vergangenen  Jahrhunderts  begann  man  auf  das  Drängen  des  mittlerweile
  verstärkten  und  verjüngten  I.chrkörpers  und  die  gebieterischen
Forderungen  der  stark  angewachsenen  Hochschulfrequenz,  der  Wissenschaft
  und  Scuchenbekämpfung  eine  angemessene,  wenn  auch  schrittweise
  Erweiterung  der  Anstalt  durch  Errichtung  von  Neubauten  in
Angriff  zu  nehmen.  Dadurch  gelangte  die  Hochschule  bisher  in  den
Besitz  eines  dem  anatomischen  und  pathologischen  Institut  dienenden
Gebäudes,  eines  Doppelbaucs  für  die  chirurgische  und  medizinische
Pferdeklinik  mit  Operationssaal  und  Reithalle.  Dadurch  konnte  sie
unter  Zuhilfenahme  der  bisherigen  jenen  Zwecken  dienenden  Räume
cin  physiologisches  Institut  einrichten  und  die  Klinik  für  kleinere
HHaustiere  sachgemäß  erweitern;  zugleich  damit  gelang  es,  dem  chemischen
  und  physikalischen  Institut  eine  größere  Zahl  von  Sammlungsund
  Arbeitslokalen  zu  überweisen  und  endlich  ein  kleines  Institut  für
Seuchenlehre  und  einen  Gebärstall  zu  schaffen.  Den  Charakter  als
Hochschule  erhielt  die  Anstalt  im  Jahre  1890.

HI.  Gegenwärtiger  Zustand.

Zur  Zeit  umfaßt  die  württembergische  tierärztliche  Hochschule
auf  einer  fast  0,5  ha  betragenden,  bebauten  Grundfläche  11  Gebäude
und  Schuppen.  Das  Hauptgebäude  ist  ein  100  m  langer,  gegen  die
Neckarstraße,  der  reichlich  2'/,  km  langen  IHauptverkehrsader  zwischen
dem  Herzen  Stuttgarts  und  seiner  Vorstadt  Berg  bezw.  dem  jenseits
des  Neckars  gelegenen  Cannstatt,  gerichteter  wenig  tiefer  Bau,  dessen
Innenräume  sich  durch  ihr  freundliches  Aussehen  nicht  unvorteilhaft
von  der  eintönigen  Gebäudefront  unterscheiden.  Es  beherbergt  in
seinem  21/,  stöckigen  Mittelteil  die  Verwaltungsräume,  Bibliothek,
Sitzungs-  und  I.esezinmer,  das  Institut  für  \eterinärpolizei  und
Seuchenlehre  nebst  Geburtshilfe,  sowie  die  Dispensieranstalt  und