Einleitung.

Die  deutsche  Handelshochschulbewegung.*)

Mit  der  veränderten  Stellung  des  Handels  im  Rahmen  der
Volkswirtschaft  ändern  sich  auch  die  Voraussetzungen  der  persönlichen
  Betätigung  im  Handel.  Noch  vor  wenigen  Jahrzehnten  war  es
in  Deutschland  möglich,  nicht  nur  den  im  eigenen  Lande  nötigen
Nachwuchs  an  kaufmännischen  Arbeitskräften  in  erster  Linie  aus  den
Handelsstädten  und  denjenigen  Bevölkerungsschichten  und  Familien
zu  decken,  die  sich  von  altersher  dem  kaufmännischen  Beruf  gewidmet
hatten,  sondern  auch  noch  einen  erheblichen  Bestand  an  jungen  Kaufleuten
  dauernd  oder  vorübergehend  ans  Ausland  abzugeben.  Ihre
Fachbildung  erhielten  diese  jungen  Leute,  nachdem  sie  etwa  10  Jahre
auf  den  Elementar-  und  höheren  Schulen  mit  humanistischen  oder
realistischen  Fächern  verweilt  hatten,  durch  die  Lehre  im  Kontor
des  väterlichen  oder  eines  fremden  Geschäfts,  nachdem  sic  sich  von
Kindheit  an  nur  in  dem  mit  kaufmännischen  Interessen  angefüllten
Gesichtskreis  ihrer  Heimat,  ihres  Vaterhauses  bewegt  hatten  und  dadurch
  auf  ihren  Beruf  mehr  oder  minder  bewußt  von  allen  Seiten
vorbereitet  waren.  Seitdem  mit  der  wachsenden  Ausdehnung  der
Industrie  auch  dic  Bedeutung  des  Handels  für  die  Güterversorgung
der  Massen  intensiv  und  extensiv  gewachsen  ist,  konnten  diese  Gegenden
  und  Kreise  den  Nachwuchs  nicht  mehr  allein  liefern,  und
aus  diesem  Umstand  ergab  sich  in  erster  Linie  die  Notwendigkeit
eines  kaufmännischen  Fachschulwesens,  um  neben  und  teilweise  an
Stelle  der  Lehrzeit  im  Kontor  jene  Bildungselemente  systematisch  zu
vermitteln,  welche  in  früherer  Zeit  wie  selbstverständliche  Voraussetzungen
  dem  jungen  Kaufmann  aus  seiner  Umgebung  in  Fleisch  und

*)  Über  die  mit  der  Technischen  Hochschule  in  Aachen  verbundene  Handelsabteilung
  vgl.  den  Aufsatz  über  diese  Hochschule.  A.d.R.