Einleitung.  169

Schon  längst  waren  in  Deutschland,  zum  kleineren  Teil  an  den
alten  Stätten  gelehrter  Bildung,  den  Universitäten,  zum  größeren  Teil
selbständig  neben  ihnen  Akademien  und  Institute  errichtet,  welche  in
erster  Linie  durch  die  Lehre  der  angewandten  Naturwissenschaften
die  besondere  Fachausbildung  für  einzelne  praktische  Berufe  bieten
sollten:  Ingenieure,  Techniker,  Landwirte,  Forstmänner,  Bergleute
hatten  so  die  Möglichkeit  erhalten,  sich  eine  wissenschaftliche  Bildung
zu  erwerben,  die  sie  zu  selbständiger  Anwendung  ihres  Wissens  in
der  Praxis  befähigte  und  dabei  ihrer  gesellschaftlichen  Bildung  wie
ihrer  Stellung  im  öffentlichen  Leben  entsprach.  So  lag  der  Gedanke
nahe,  auch  dem  Kaufmann  einc  solche  seinen  besonderen  Berufsanforderungen
  entsprechende  gelchrte  Bildung  zu  verschaffen,  um  so
mehr  als  bei  der  fortschreitenden  Ausbildung  des  kaufmännischen
Großbetriebs  der  Bildungswert  der  Lehrzeit  ständig  zurückgegangen
war,  während  die  Anforderungen  an  den  selbständig  denkenden  und
neue  Bahnen  der  Geschäftstätigkeit  aufsuchenden  Großkaufmann  stetig
gewachsen  waren.  Nur  in  einem  Bureau  oder  Spezialzweige  des  Gecschäftes
  beschäftigt,  erhält  der  L.chrling  nic  mehr  einen  vollen  Überblick
  über  den  ganzen  Mechanismus  der  Geschäftsorganisation,  sondern
wird  nur  in  einzelnen  besonderen  Arbeitsleistungen  ausgebildet,  dafür
aber  auch  bezahlt,  sobald  er  dieselben  selbständig  ausüben  kann.  Von
einem  persönlichen  Einfluß  des  Prinzipals  oder  der  leitenden  Hilfskräfte
  ist  keine  Rede  mchr;  der  vorjüngste  Lehrling  führt  den  jüngsten
ins  Geschäftsleben  ein.  Von  der  Erkenntnis  dieses  Mangels  ausgehend,
  auf  den  sie  bei  der  eigenen  Geschäftstätigkeit  und  bei  der
Auswahl  ihrer  Gehilfen  häufig  aufmerksam  geworden  waren,  sind  es
Männer  des  praktischen  lebens  gewesen,  welche  den  Gedanken  aussprachen,
  daß  diesem  Zustand  am  zweckmäßigsten  durch  eine  für  den
jungen  Kaufmann  eigens  berechnete  Hochschulbildung  abgeholfen
werden  könne.

Freilich  hat  es  dem  Plane,  diesem  in  den  veränderten  Verhältnissen
  des  wirtschaftlichen  Lebens  begründeten  Mangel  gerade  durch
die  Handelshochschule  abzuhelfen,  nicht  an  lebhafter  Bekämpfung
gefehlt.  Die  einen  seiner  Gegner  befürchten  überhaupt  von  einer
Erweiterung  des  Wissens  eine  Zurückdrängung  und  Mißachtung  der
praktischen  Ausbildung;  die  anderen  dagegen  wollen  zwar  cine  bessere
Fachausbildung,  sehen  aber  den  richtigen  Weg  in  einem  Ausbau  des
mittleren  Schulwesens,  weil  sic  die  Schattenseiten  des  deutschen  akademischen
  Betricbes  von  der  kaufmännischen  Jugend  fernhalten  wollen.

Die  Regierungen  standen  der  Bewegung  zur  Gründung  von