170  Handelshochschulen.

Handelshochschulen  meist  abwartend  gegenüber.  Allerdings  hat  das
Königreich  Sachsen  der  l.eipziger  Handelshochschule  von  Anfang  an
einen  finanziellen  Zuschuß  gewährt  und  denselben  letzthin  sogar  in
Anbetracht  des  gestiegenen  Besuches  erhöht.  Der  preußische  Staat
hat  bisher  den  drei  preußischen  Handelshochschulen  nur  mittelbare
Unterstützung  angedeihen  lassen.

Um  so  lebhafter  ist  der  Gedanke  von  den  berufenen  Interessenvertretungen
  des  Handels  aufgegriffen:  die  Handelskammern  haben
überall  sich  an  seiner  Verwirklichung  mit  Rat  und  Tat  beteiligt.
Auch  die  städtischen  Behörden  haben,  abgesehen  von  Aachen,  sich
an  der  Fundierung  der  neuen  Anstalten  beteiligt.  Indes  würden
diese  nicht  so  schnell  und  zahlreich  ins  Leben  getreten  sein,  wenn
nicht  von  interessierten  Privatleuten  durch  große  Stiftungen  oder
dauernde  Zuschüsse  die  nötigen  Mittel  zur  Verfügung  gestellt  wären.

Im  Jahre  1893  fanden  im  Schoße  der  Provinzialverwaltung  der
Rheinprovinz  die  ersten  Verhandlungen  über  die  Errichtung  einer
„Handelsakademie  für  die  Rheinprovinz“  statt.  Doch  lelınte  der
Provinziallandtag  dieselbe  ab,  weil  er  sic  für  eine  Aufgabe  der  Staatsverwaltung
  hielt.  Damit  war  aber  die  Angelegenheit  keineswegs  begraben.
  Der  „Deutsche  Verband  für  das  kaufmännische  Unterrichtswesen“
  knüpfte  an  jene  Verhandlungen  an  und  ließ  auf  seinem
Leipziger  Kongreß  im  Juni  1897  durch  Professor  Dr.  Ehrenberg-Rostock
  und  C.  M.  Sombart-Magdeburg  die  Frage  behandeln:  „Erweist
sich  die  Errichtung  von  IHandelshochschulen  als  cin  Bedürfnis,  und
auf  welcher  Grundlage  sind  dieselben  eventuell  zu  errichten?‘  Auf
Grund  einer  umfangreichen  Umfrage  wurde  der  erste.  Teil  der  Frage
bejaht,  und  nunmehr  widmete  sich  der  Verband  der  Beantwortung
des  zweiten  Teils,  indem  eine  von  ihm  eingesetzte  Kommission  im
Oktober  und  November  1897  in  Eisenach  und  Hannover  über  die
Wege  zur  Verwirklichung  des  Planes  und  über  die  Einzelheiten  der
neuen  Einrichtung  eingehende  Beratungen  pflog.  Bald  darauf  wurden
diese  Fragen  auch  auf  einer  im  Preußischen  Ministerium  für  Handel
und  Gewerbe  abgehaltenen  Konferenz  erörtert.

Inzwischen  war  man  aber  auch  der  Verwirklichung  der  Pläne
praktisch  nähergetreten,  und  am  1.  April  1898  wurde  die  Handelshochschule
  in  leipzig,  am  1.  Oktober  1898  der  „zweijährige  Kursus
für  Handelswissenschaften  an  der  Kgl.  Technischen  Hochschule“  in
Aachen,  jetzt  Handelshochschule  benannt,  eröffnet.  Am  1.  Mai  1901
fand  die  feierliche  Einweihung  der  Städtischen  Handelshochschule  in
Cöln  statt,  und  am  21.  Oktober  1901  eröffnete  die  „Akademie  für