174  Handelshochschulen.

Professor  Dr.  Gothein  in  Bonn  entworfenen  und  mittels  Erlaß  vom
19.  September  1900  durch  die  Ministerien  der  geistlichen,  Uhnterrichts-
  und  Medizinalangelegenheiten  sowie  für  Handel  und  Gewerbe
genehmigten  Plane  und  bewilligte  zu  seiner  Ausführung  einmütig  den
an  einer  Million  noch  fehlenden  Betrag  von  rund  260  000  M.  Mit
der  Organisation  im  einzelnen  und  der  Ausarbeitung  des  Lehrplanes
wurde  im  Frühjahr  1901.  Professor  Dr.  H.  Schumacher  betraut,  der
seitdem  das  Amt  des  Studiendirektors  der  Hochschule  bekleidet.  Am
1.  Mai  1901  wurde  die  neue  Anstalt  in  Gegenwart  des  Handelsministers
  und  der  sonstigen  Vertreter  der  staatlichen  und  städtischen
Behörden  feierlich  eröffnet.

II.  Organisation  und  Ausstattung.

Die  Organisation  der  Anstalt  schließt  sich  eng  ihren  Aufgaben
an.  Zweck  der  Cölner  Hochschule  für  Handel  und  Industrie  ist:

1.  erwachsenen  jungen  Leuten,  welche  sich  dem  kaufmännischen
Berufe  widmen,  eine  vertiefte  allgemeine  und  kaufmännische
Bildung  zu  vermitteln;

2.  angehenden  Handelsschullehrern  Gelegenheit  zur  Erlangung
der  erforderlichen  theoretischen  und  praktischen  Fachbildung
zu  geben;

3.  Jüngeren  Verwaltungs-  und  Konsularbeamten  sowie  Handelskammersekretären
  und  dergl.  Gelegenheit  zur  Erwerbung
kaufmännischer  Fachkenntnisse  zu  bieten;

4.  praktischen  Kaufleuten  und  Angehörigen  verwandter  Berufe
die  Möglichkeit  zu  gewähren,  sich  in  einzelnen  Zweigen  des
kaufmännischen  Wissens  auszubilden.

Dem  ersten  dieser  Ziele  ist  die  Hauptwirksamkeit  der  eigentlichen
  Handelshochschule  gewidmet.  Für  Ausbildung  von  Handelsschullehrern
  besteht  ein  Seminar,  in  das  seminaristisch  gebildete  Lehrer
nach  Bestehen  der  zweiten  Prüfung  Aufnahme  finden.  Von  Oktober
1903  an  wurden  besondere  verwaltungsakademische  Kurse  für  Beamte
eingerichtet.  Zahlreiche  öffentliche  Vorlesungen,  insbesondere  über
Kunst,  Literatur,  Philosophie,  Volkswirtschaitslehre  usw.  bezwecken
endlich,  allgemein  anregend  zu  wirken  und  dem  Wunsche  des
Stiftes  gemäß  einen  Mittelpunkt  wissenschaftlichen  Lebens  und
Strebens  für  Cöln  zu  schaffen;  sie  werden  regelmäßig  in  den  Abendstunden
  abgehalten,  um  namentlich  auch  den  in  der  Praxis  stehenden
Kaufleuten,  Beamten  usw.  Gelegenheit  zum  Besuche  derselben  zu  geben.