Akademie  für  Sozial-  und  Handelswissenschaften  zu  Fraukfurt  a.  M.  185

getrennt  verfolgter  höchst  moderner  Bestrebungen,  welche  den  neuen
in  letzter  Zeit  in  den  Vordergrund  getretenen  Bedürfnissen  Rechnung
tragen  wollen.  Einmal  handelte  es  sich  darum,  durch  universitäre
Einrichtungen  Gelegenheit  zu  vertieftem  Studium  der  Sozial-,  Staatsund
  Wirtschaftswissenschaften  zu  geben,  insbesondere  auch  für  Gelehrten-
  und  Beamtenkreise  eine  ergänzende  kaufmännische,  volkswirtschaftliche
  und  staatswirtschaftliche  Bildung  zu  vermitteln.  Nach
dieser  Richtung  bewegte  sich  insbesondere  auch  die  Tätigkeit  des
im  Jahre  1896  von  dem  Privatier  W.  Merton  begründeten  Instituts
für  Gemeinwohl,  insofern  es  sich  u.  a.  die  Aufgabe  gesetzt  hat,
wirtschaftliche  und  sozialpolitische  Kenntnis  in  die  Kreise  der  Praktiker,
  vor  allem  auch  Ingenieure,  zu  tragen.  Daneben  aber  war  zu
gleicher  Zeit  im  Anschlusse  an  die  vom  Verband  für  das  kaufmännische
  Unterrichtswesen  ceingelcitete  Bewegung  die  Errichtung
einer  Handelshochschule  in  Anregung  gebracht  worden.  Es  crschien
  zweckmäßig,  beide  Bestrebungen  zu  vereinigen,  weil  sich  hierdurch
  eine  Finheitlichkeit  der  Verwaltung  und  cine  zusammenfassende
  Lehrtätigkeit  der  Dozenten,  welche  beiden  Bestrebungen
dienen  können,  erzielen  ließ.  Auch  kann  die  Akademie  auf  diese
Weise  besser  die  Aufgabe  erfüllen,  die  verschiedenen  Berufskreise  in
nähere  Berührung  zu  bringen  und  einen  Mittelpunkt  geistigen  Lebens
zu  schaffen,  wo  Kaufleute,  Industrielle,  Techniker,  Juristen,  staatliche
und  kommunale  Verwaltungsbeamte,  Lehrer  u.  a.  m.  sich  begegnen
und  verstehen  lernen.

Die  längeren  Verhandlungen  über  die  Gründung  eines  solchen
Instituts,  welche  an  die  Bereitwilligkeit  des  Instituts  für  Gemeinwohl
anknüpften,  30000  M.  Jahresbeitrag  zu  leisten  unter  der  Bedingung,
daß  auch  die  Stadt  zu  der  gleichen  L.eistung  sich  verstehe,  führten
im  Juli  1899,  nachdem  auch  von  Seiten  der  Polytechnischen  Gesellschaft
  und  der  Handelskammer  cin  Beitrag  von  je  5000  M.  jährlich
zugesichert  war,  zu  einem  Beschlusse  der  städtischen  Behörden,  durch
welchen  der  Grundplan  genehmigt  wurde.  Durch  den  Vertrag
zwischen  der  Stadt  und  dem  Institut  für  Gemeinwohl  ist  der  ersteren
eine  entscheidende  Stimme  bei  etwaiger  Statutenänderung  zugesichert.
Über  die  weiter  zur  Verfügung  gestellten  Mittel  siehe  unten.  Die
Satzungen,  in  der  Fassung  vom  18.  Mai  1900,  fanden  unterm  30.  Mai
1%1  die  Genehmigung  der  zuständigen  Ministerien  mit  der  Maßgabe,
daß  zur  Ausübung  der  Öberaufsicht  über  die  Akademie  ein  Vertreter
  der  Staatsregierung  bestellt  wird,  die  Anstellung  der  an  der
Akademie  hauptamtlich  wirkenden  Dozenten  in  jedem  einzelnen