Die  Köniel.  Preußische  Kriessakademie.  2:31

Zur  Einberufung  gelangen  nur  Offiziere,  die  mindestens  3  Jahre
im  Offizierrange  Dienst  getan  haben  und  vor  Ablauf  der  nächsten
5  Jahre  voraussichtlich  nicht  zum  Hauptmann  (Rittmeister)  heranstehen;
  abgesehen  von  seltenen  Ausnahmefällen,  wird  über  ihre
Qualifikation  durch  eine  schriftliche  Aufnahmeprüfung*)  entschieden,
die  sich  in  den  Kriegswissenschaften  auf  formale  und  angewandte
Taktik,  Waffenlehre,  Befestigungslehre,  Feldkunde  und  Anfertigung
cines  Krokis,  in  den  allgemeinwissenschaftlichen  Fächern  auf  Geschichte,
Erdkunde,  Mathematik  und  Französisch  erstreckt.  Die  Beurteilung
der  Prüfungsarbeiten  erfolgt  durch  die  Studienkommission  der  Kriegsakademie.
  Die  Zahl  der  Hörer  ist  nach  dem  Etat  zur  Zeit  auf  400
vorgesehen;  daneben  ist  zum  Besuche  der  Vorlesungen  eine  wechselnde
Zahl  von  Hospitanten  zugelassen.

Nachdem  die  Anstalt  von  1810—1882  in  einem  früher  der
Adligen  Militär-Akademie  bestimmten  Gebäude  an  der  Burgstraße
untergebracht  gewesen  war,  bezog  sie  zu  Anfang  des  Jahres  1883  den
prächtigen  Neubau,  der  auf  dem  damals  von  der  Artillerie-  und
Ingenieurschule  verlassenen  Grundstücke  errichtet  worden  war.

Der  Etat  der  Anstalt  bezifferte  sich  für  1893—1894  auf  207917
Mark,  nämlich  Besoldungen  59  340  Mark,  andere  persönliche  Ausgaben
77550  Mark,  Dispositionsfonds  17300  Mark,  sachliche  und  vermischte
Ausgaben  53727  Mark;  im  Etat  für  1903—1904  lauten  die  Zahlen
folgendermaßen:  Besoldungen  131  850  Mark,  andere  persönliche  Ausgaben
  110080  Mark,  Verfügungssumme  28023  Mark,  sächliche  und
vermischte  Ausgaben  65  149  Mark.  Die  Verwaltung  der  Bibliothek,
über  deren  äußerst  reichhaltige  Bestände  ein  vortrefflich  eingerichteter
Katalog  die  nötige  Übersicht  gibt,  ist  zur  Zeit  einem  inaktiven  Offizier
übertragen.  Das  stehende  Personal  der  Anstalt  besteht  aus  1  Direktor
(General),  4  Direktionsmitgliedern  (1  höherer  und  3  weitere  Stabsoffzicre
  oder  3  ältere  Hauptleute),  1  Adjutanten,  9  Militärlchrern
(Stabsoffiziere)  und  3  Zivillehrern  (für  den  Unterricht  im  Russischen).
Die  übrigen  Zivillehrer  sind  nebenamtlich  an  der  Akademie  beschäftigt.

*)  Zweckmäßigen  Hinblick  in  das  Maß  der  Anforderungen,  an  das  die  Aufnahme
in  die  Kriegsakademie  geknüpft  ist,  bieten  die  verschiedenen  Handbücher  zur  Vorbereitung
auf  die  Anfnahmeprüfung,  z.  B.  von  Wedel,  Vorbereitung  für  das  Examen  zur  Kriegsakademie.
  Ein  Ratgeber  zum  Selbststudium,  7.  Auflage,  Berlin  1903,  R.  Eisenschmidt;
A.  Kühn,  Die  Aufnahme-Prüfung  für  die  Kriegsakademie,  4.  Auflage,  Berlin  1903,
Liebelsche  Buchhandlung.  Vergleiche  etwa  auch  Br.  Bleyhöffer,  Praktische  Winke  für
die  Aufnahmeprüfung  zur  Kriegsakademie,  Berlin  1903,  C.  Duncker.